Montag, August 20, 2007

Gulaschkanone

Ich muss mich meiner (zumeist versteckten) kulinarischen Künste hier nun doch mal wieder rühmen. Heute habe ich mich doch tatsächlich an einen echten Gulasch mit Spätzle getraut - und das Ergebnis war großartig! Wie bei Mama - wirklich! Eine kleine Vorgeschichte ist vielleicht nötig, um die Bedeutung dieses Gulaschs deutlich zu machen.
Hamza beeindruckte mich (oder versuchte es) anfangs (und eigentlich immer noch) ganz charmant mit seinen deutschen Wortfetzen, die er irgendwo zwischen Pro 7 und VIVA in jungen Jahren aufgeschnappt hatte. Dazu gehörte natürlich "Werbung", ein größtenteils unverständlicher Satz zwischen "Risiken", "Arzt" und "Apotheker", aber auch: "GULASCHKANONE". Bis heute konnte ich das Rätsel nicht lösen: Wie kommt eine Gulaschkanone nach Marokko? Auf jeden Fall war und ist Hamza zutiefst beeindruckt von dieser Erfindung. Tatsächlich habe ich ihn mit der deutschen Realität der Gulaschkanone ein wenig enttäuscht, da nicht jeder Haushalt so etwas besitzt und sich die Verbreitung auch sonst in eher engen Grenzen hält. Davon hielt Hamza allerdings sehr wenig und träumte weiter von Kanonen, in denen dieses deutsche Gericht namens Gulasch steckt. Wie meine wikipedia -Nachforschungen mittlerweile ergaben, wird in Gulaschkanonen der Gulasch nicht nur aufbewahrt, sondern sogar zubereitet. So langsam erwachte auch meine Neugier an diesem urdeutschen Gefährt (Idar-Oberstein 1892!).
Da die Kanone selbst aber eher schwer aufzutreiben war, nahm ich mir zumindest vor, die Gulaschzubereitung zu wagen. Als Hamza mitten in die Vorbereitungen dafür platzte, aber nichts Kanonenähnliches fand, stand schon ein wenig Enttäuschung in seinem Gesicht. Also musste mein Gulasch umso besser werden, um das wiedergutzumachen ;-) Das gelang auch - und wie! Hier ein paar Bilder von der Gulaschsensation des Jahres. Lecker, oder? Nach eingänglicher Musterung (und nach einiger Erfahrung mit anderen deutschen Gerichten bisher) stellte Hamza schließlich fest, dass er die deutsche Geschichte nun viel besser verstünde. Nach so einem Gericht würde er sich auch glatt danach fühlen, in Frankreich einzufallen :-D Wozu so ein Gulasch nicht alles gut ist...

Dienstag, Juli 24, 2007

Roadtrip durch die USA und Kanada!


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Ursprünglich hochgeladen von silvanazech
Ihr Lieben,
auch wenn ich nun seit seeeehr langer Zeit nichts mehr geschrieben habe, habe ich diese Monate doch sehr ergiebig (würde ich zumindest meinen) verbracht. U.a. hat mich ein großer Teil meiner Familie aus Deutschland besucht, d.h. mein Papa, mit seiner Freundin Peggy und ihrer Tochter Steffi, sowieso meine kleine Schwester Danni. Fotos von unserer zweiwöchigen Reise könnt ihr euch in meinem Fotoalbum anschauen (in der Linkliste das zweite Album - flickr!). Daneben gibt es auch noch Fotos zu bestaunen von meinem nächsten Fallschirmsprung und meinen Höhlenabenteuern in Kentucky! Viel Spaß!

Sonntag, April 08, 2007

Selbst schuld...

Ich hätte mich nicht mit dem Wettergott anlegen sollen...oder einfach anfangen sollen, an ihn zu glauben. Meinen Blogeintrag hat er wohl persönlich genommen und den Winter nach ein paar Wochen Sommerwetter einfach wieder zurückgeschickt. Nachdem ich meine Winterschuhe an einem der vielen sonnigen, wolkenlosen Tage der letzten Wochen entsorgt hatte, konnten wir gestern Abend dann wieder eine Schneeballschlacht machen. Und mitten in der Nacht im Stau auf einer zugefrorenen Ohio-Brücke stehen. Ich nehme die Schuld vollkommen auf mich - und bitte hiermit seeeeehnlichst um die Rückkehr des Sommers.

Frohe Ostern an den Rest der Welt!

Sonntag, April 01, 2007

Winter Wonderland


Nach einer gewaltigen Phase der Zurückhaltung melde ich mich jetzt mal zurück. Ohne Aprilscherz. Es gab seit dem 14. Februar durchaus viel Erzählenswertes – nur leider fielen diese Ereignisse allesamt in eine Zeitspanne, die sich sonst nur durch ihren hohen Uni-Stress-Faktor auszeichnete. Wieder mal zu spät begonnen, die Hausarbeiten zu schreiben. Wieder mal in Hektik geraten. Wieder mal alles wie immer.

Ich will jetzt keinen Rundumschlag wagen, aber ein paar Dinge sind es schon wert, hier niedergebloggt zu werden. Denn es gab tatsächlich zwei Tage Winter in Cincinnati. Die hatten es dafür aber auch in sich...

#1: Dienstag, 6. Februar 2007. Es schneit und schneit und schneit. Und ich freue mich, dass ich meine Winterjacke zu Weihnachten doch noch nicht in Deutschland gelassen habe. Aber dieser Schnee kam auch ziemlich unerwartet, denn bisher hatte man die Tage mit weniger als 32 Grad (Fahrenheit…Amis…tststs) an einer Hand abzählen können. Meine Übergangsjacke (schönes Mamawort) hatte dem Cincinnati-Winter immer noch die Stirn bieten können. Doch dann schneiten Flocken um Flocken auf Cincinnati nieder. Ganze 8 Inches (20,32 cm…kleine Kopfrechenübung…). 20,32 cm zu viel für Cincinnati. Während ich mich von der Bibliothek aus über die hübsche Schneedecke noch freute, braute sich draußen das Chaos zusammen. Das ganze Viertel war ein einziger Stau. Und im Internet wurde von meilenlangem Autobahn-Chaos berichtet. Ich kam da schon ins Grübeln, denn es war doch erst früher Nachmittag…wo kamen die ganzen Autos her? Des Rätsels Lösung: Die Stadt hatte alle Arbeitgeber aufgerufen, ihre Angestellten früher nach Hause fahren zu lassen, damit zu früher Stunde ein Stau produziert werden könne, der dann dabei hilft, den Schnee schneller schmelzen zu lassen. Local Warming.
Um 17 Uhr schloss dann die gesamte Universität samt aller dazu gehörigen Einrichtungen (also auch meiner geliebten Bibliothek) für den Tag. Wegen ein paar Zentimetern Schnee – die 20,32 cm waren ja nur das Endergebnis spät in der Nacht. Zu diesem Zeitpunkt waren es vielleicht 10 cm.
Da Altertumsmenschen, wie ich es einer bin, nicht wissen, was sie tun sollen, wenn ihnen die Bibliothek vor der Nase zugeschlossen wird, ging es im Rudel zum Café um die Ecke (nachdem ich mir eine kleine Schneeballschlacht natürlich nicht hatte nehmen lassen…). ABER: Das Café hatte wegen des Schnees geschlossen…HÄÄÄÄH? Da hat jemand den Umsatz seines Lebens verpasst. Too bad. Eine Ecke weiter wurden wir dann aber sehr herzlich aufgenommen und erfreuten uns alle zusammen an ein paar Tassen heißer Schokolade und Co. Nur mein Fahrrad musste sich der geschlossenen Schneedecke ergeben. Wer hatten morgens auch schon ahnen können, dass der Tag SO enden würde?! Gegen 19 Uhr machte ich mich dann auf den Weg zu meiner Wohnung, einen Block den Berg hinunter. Nach ein paar Metern gab ich dann erstmal den Versuch auf, auf meinem Fahrrad nach Hause zu kommen. Stattdessen stapfte ich tapfer durch den Schnee auf der Straße – denn Räumfahrzeuge tauchten den ganzen Abend nicht auf. Das hatte aber auch seine amüsante Seite, denn so kam ich in den Genuss, Skifahrern beim Abfahrtslauf auf Wheeler Street zuzugucken. Es sollte nicht lange dauern, bis auch ich mich das erste Mal auf diese Bretter wagte.

Am folgenden Wochenende hatte sich eine große Gruppe internationaler Studenten zum Gruppen-Skifahren im Perfect-North Skigebiet in Indiana (45 Minuten von Cincy) getroffen. Dazu kam dann noch eine mindestens genauso große AFS-Truppe. Wie hätte ich mich dem entziehen können? Ray sorgte für meine “professionelle” Skikleidung und ich dafür, dass ich noch auf dem Parkplatz meine Kreditkarte verlor. Jippi! Als ich dann auch noch bemerkte, dass mein Handy keinen Empfang hatte und ich somit keinen Kontakt mit den anderen aus der Gruppe aufnehmen konnte, war ich ganz verloren. Ich hatte keinen Schimmer, wie ich sie alle jemals finden sollte… Innerlich verfluchte ich schon die Idee, überhaupt zum Skifahren gekommen zu sein. Dazu sah ich schon Bilder vor meinem geistigen Auge, auf denen ich von 10 Sanitätern den Berg mit einem gebrochenen Bein runtergeschleppt werde. Schließlich bin ich doch noch NIE skigefahren. Doch dann wollte es der Zufall, dass ich meine Leute an irgendeiner Hütte traf, meine Kreditkarte an einer Kasse abgegeben wurde und ich tatsächlich auf Skiern umherwackelte. Eine erste Skistunde war im Preis inbegriffen. Und da konnte ich dann feststellen, dass ich wohl ein Naturtalent bin ;-) So lernte ich, auf Skiern umherzulaufen und umherzufahren. Dann ging es ans Schneepflug-Lernen (the “wedge”) und die Kurven (the “turn”) – ich habe keine Ahnung, ob das die richtigen Begriffe auf deutsch sind, aber Jim hat uns Skifahren auf Amerikanisch beigebracht. Am Ende der Stunde nahm er uns dann per Skilift (aaaaah! Wie kommt man da bloß rauf mit den Dingern unter den Füßen….) auf die Idiotenpiste – the bunny hill (ist das nicht viel netter?). Auch wenn ich teilweise die Kontrolle über meine Geschwindigkeit verlor, konnte ich jeglichen Ganzkörperkontakt mit dem Schnee vermeiden. Und nach ein paar Runden war ich auf dem besten Wege zum Profi ;-)
Schließlich wagte ich mich dann auf die mittelschweren Pisten – und auch das ging, zu meinem eigenen Erstaunen, sturzlos zu. Yeah! Abends ging es dann bei Flutlicht weiter – und ich konnte gar kein Ende finden, die “Berge” Indianas hinunterzusausen. Aber irgendwann war mein Tagespass dann abgelaufen und ich machte mich frohen Mutes auf den Weg nach Hause. War ja alles phantastisch gelaufen. Stolz wie Bolle zurück auf den Highway – 3 Meilen weiter, die Staatengrenze zu Ohio gerade so passiert, fing Luise an zu stottern und beschleunigt nicht mehr. Der Seitenstreifen der Autobahn wurde unser Zuhause für die nächste Stunde. Leider halfen weder gutes Zureden noch unermüdliche Startversuche. Luise war bockig und gab keinen Mucks mehr von sich. Mein Vermieter und amerikanischer Ersatzvater (gleichzeitig auch mein persönlicher Automechaniker...) Ray war zu allem Übel auch nicht erreichbar, sodass ich schließlich von Christina abgeholt wurde. Luise blieb allein auf dem Seitenstreifen zurück – schnief. Am nächsten Morgen fuhr ich dann mit Ray zu ihr – aber auch ihm gelang es nicht, sie zurück ins Leben zu holen. Also kam der große Abschleppwagen und nahm sie mit in die Werkstatt. Das Ende vom Lied: Die Kraftstoffpumpe…oder eben nicht mehr ;-) Teurer Montag-Morgen-Spaß. Aber der sollte erst angefangen haben.

Nachdem ich abends aus der Dusche gesprungen war und mich todmüde in mein Bett schmeißen (ja, schmeißen: ich war müde!) wollte, verhakte sich mein kleiner linker Zeh mit dem Bettgestell und AAAUUU!!! Sterne über meinem Bett, Blut über meinem Zeh. Totalschaden – und Schmeeeerzen, die gar nicht mehr aufhören wollten. Da das mit dem Laufen dann am nächsten Morgen immer noch nicht besser war (ja, ich habe ihn gefunden: den Sinn des kleinen Zehs…), schnappte ich mir mein Fahrrad für den Weg zur Schule. Auf dem Weg nach Hause schlitzte ich mir an einer gemeinen Glasscherbe den Vorderreifen auf, sodass auch mein letztes Fortbewegungsmittel gefechtsunfähig wurde. Auto kaputt, Zeh kaputt, Fahrrad kaputt. Silvana ohne jegliche Chance auf Bewegung. Hinzu kam ja noch, dass die Straßen zwar mittlerweile von Schneefahrzeugen gefegt worden waren – dass das aber nur hieß, dass der Schnee von der Straße auf die in den USA sowieso meist unbenutzten Gehwege geschoben wurde. Bravo. Nach ein paar Tagen wurde das die perfekte Rutschbahn – insbesondere mit Totalschaden am kleinen Zeh. Ein weiteres Hoch auf den Winterdienst in Cincinnati…

Und der Spaß hatte erst begonnen. Der Valentinstag brachte Wintereinbruch # 2 mit sich – nicht so sehr in der Form von Schnee, aber von Eisregen. Die Fernsehsender ließen es schon nach nationaler Katastrophe aussehen und sendeten alle paar Minuten Wetterwarnungen. Zugegebenermaßen: Andere Orte, insbesondere im Nordosten der USA, hatte es deutlich schlimmer getroffen. Aber auch auch unsere Uni entschied sich, nochmal einen Tag alle Einrichtungen zu schließen. Noch schneite es eigentlich nur, nachts sollte dann der Eisregen einsetzen. Eigentlich waren sich alle einig, dass das der eigentliche Grund für einen “snow day” wäre. Nur die Unileitung hatte irgendwie komische Prioriäten und ließ alle am nächsten Morgen auf eisglatten Straßen und Gehwegen zur Uni rutschen. HÄÄÄH? Nicht nur, dass das so viel gefährlicher war als das bisschen Schnee am Vortag. Ich hatte am nächsten Morgen auch einen Kurs, den ich allzu gern verschlafen hätte ;-) Naja, das hatte nicht sollen sein. Stattdessen rief mich eine besorgte Christina an. Der letzte Eisregen in North Carolina hatte ihr fünf Tage ohne Strom beschert (und damit ohne Heizung…). Im Hightech-Land USA verlaufen die Stromleitungen eben über der Straße und, obwohl hübsch anzusehen, tendieren unter der Eislast ab und an zu reißen. Bei mir hieß das glücklichweise nur 5 Minuten Stromausfall, für ein paar andere in meinem Institut ein paar Tage Kälte in der eigenen Wohnung und dann wechselndes Exil in den Wohnungen von Kommilitonen.
Dafür konnte ich mich am Nachmittag auf Fototour in Clifton, dem Uni-Viertel, begeben. Ein paar Bilder könnt ihr hier sehen – den Rest in meinen Fotoalben. Ein Eiszapfen-Junkie im Rausch ;-)

Mittwoch, Februar 14, 2007

Zur Feier des Tages

Valentinstag. Mein Enthusiasmus, diesen Tag feierlich zu begehen, hält sich in Grenzen. Das ist zwar deutlich schwieriger in den USA als in Deutschland, wurde mir heute aber auch besonders einfach gemacht: Immerhin konnte ich mich wunderschön darüber aufregen, dass die Todesopfer der derzeitigen Kältewelle in den USA nicht so sehr die Gemüter der Amerikaner erregten wie die in Gefahr geratene Auslieferung von Valentinstags-Blumen!!!
Suggi sorgte dann jedoch für die Ehrenrettung des Valentinstages und rief mich in aller Frühe heute auf meinem Handy (!) an – nachdem erst einmal alle möglichen Szenarien in meinem Kopf abgelaufen waren, was denn passiert sein könnte, dass Suggi mich so dringend erreichen muss, beruhigte er mich dann schnell wieder: Alles Gute zum Valentinstag! Uff, das ging ja nochmal gut. Er hatte es halt nur gut mit mir gemeint und wollte mir ein paar liebe Worte sagen, weil ich ja sonst so allein bin….?!? Fast hatte mein Selbstmitleid mich besiegt. Selten waren mein Fremd- und Selbstbild so offensichtlich verschieden ;-) Gefreut hab ich mich über den Anruf natürlich trotzdem – und zumindest hat er mir ein bisschen von der Bedeutung des Valentinstages zurückgegeben. Deshalb werde ich diesen Blogeintrag jetzt nutzen, um dem von mir am meisten geliebten Mann ein ganz besonderes Geschenk zu machen. Es bahnt sich keine Sensation in meinem Liebesleben an, keine Sorge. Basti, kein weiterer Name auf der langen Liste der Zech-Männer ;-)

Stattdessen gilt meine ganze Aufmerksamkeit am heutigen Tag meinem Computer (wie eigentlich auch sonst immer). Heute soll er nun endlich seinen Namen bekommen. Ja, nach langem Grübeln habe ich dann doch entschieden, dass mein Computer männlich ist. Ich konnte die geäußerten Argumente dagegen ja auch sehr gut nachvollziehen, aber die “Frauen” in meiner Umgebung hätten doch zu viel Einfluss auf mich bekommen – und Luise und Hilde wohlmöglich Konkurrenz! Es ist also ein Junge. Und bisher hat er sich auch bestens mit den beiden eben genannten Damen verstanden – wenn er auch “nur” auf der Rückbank mitfahren durfte. Jetzt sollte ich wohl langsam mal auf den Punkt kommen… Aber man kennt das ja: Bevor der Gewinner am Ende der Show bekannt gegeben wird, gibt es erst einmal eine lange Vorrede (bei mir sowieso) und Grußworte und Gastredner und Vorab-Dankesreden. Der Trommelwirbel darf schon mal beginnen. Langsam. Im Hintergrund. Denn die hohe Qualität aller Beiträge verdient noch ein paar Worte meinerseits.

Schließlich hatte sie dazu geführt, dass die Namensfindung nicht wie geplant straight forward (how do you say that in German?!) vorgehen konnte. Die Jury hatte Endlos-Diskussionen über die verschiedenen Vorschläge und deren Rechtfertigungen zu führen, denn sie hatte nicht damit gerechnet, welche Geschehnisse der älteren und jüngsten Geschichte auf einmal ins Spiel kommen würden. Wer konnte denn damit rechnen, dass ernsthaft Vorschläge wie “Zeitzi” geäußert werden würden – nur so als Beispiel ;-) Aber meinen Computer nach meinem künftigen Schwager zu benennen ?! In den letzten Nächten tat die Jury daher schon gar kein Auge mehr zu - zu aufgewühlt waren die Nerven der einzelnen “Mitglieder”. Nein, ich leide nicht unter Schizophrenie (auch wenn sie das alle sagen…). Zwei Persönlichkeiten hätten in diesem Fall auch nicht ausgereicht. So einigte sich die Jury letztlich auf einen Kompromiss: “Middle name” ist das Zauberwort!
Dies hat einerseits den großen Vorteil, dass mein Schatz sich in puncto Namensgebung unter den Amerikanern nicht so sehr auffällt, andererseits wertet der Mittelname auch den gesamten Namen noch ungemein auf. Und man muss nicht immer eine Zeile beim Ausfüllen von Formularen freilassen. Und man wird nicht immer ungläubig angeguckt, dass “Silvana” der volle und einzige Vorname ist. All das erspare ich meinem Süßen. So lernt man aus den Fehlern seiner Eltern ;-)

Trotzdem bleibt der künftige Vorname meines Schatzes sein Rufname und der/die Vorschläger(in) damit Hauptpreisträger(in) in diesem Wettbewerb. Damit bin ich dann ja wieder und endlich bei des Rätsels Lösung angekommen. Nochmal Trommelwirbel, dieses Mal crescendo bitte.

And the winner is:
Sapple M. Brand.


Herzlichen Glückwünsch an Herrn Sebastian Rentmeister aus R. an der H. für diese äußerst gelungene Kombination aus traditionell deutscher Wurzel (eine Tendenz, die mir persönlich ja sehr sympathisch ist) verbunden mit dem globalen Flair eines zweisprachig aufwachsenden Youngsters, der auf dem Weg ist zu lernen, sich den (Microsoft)Normen dieser Welt zu widersetzen. Der Preis für diesen Sieg wird sich in Kürze auf den Weg nach Deutschland machen (und ich bins dieses Mal nicht, auch nicht heimlich als Überrraschung...).

Aber was verbirgt sich nun hinter den restlichen Namensbestandteilen? Zunächst einmal zwei Preise, die ich ungern Trostpreise nennen möchte, für die ich aber im Moment kein besseres Wort finde, denn gewonnen haben sie ja auch.

Das M. – es hat mich in besondere Bedrängnis gebracht. Denn wie könnte ich, ohne mit der Wimper zu zucken, Minko aus diesem Wettbewerb und aus unser aller Herzen verdrängen? Ich will Frau Christina Beck keine böse Absicht unterstellen, aber ein wenig emotionales Kalkül war wohl bei diesesm Namensvorschlag dabei…. Nun dann sei es so. Dafür ist der Mittelname da. Er kann erinnern lassen, ein wenig verdecken vielleicht, doch vor allem ehren. In Gedenken an unser aller Liebling also, Minko!


Und wenn ich meinem Computer schon keinen Oberlippenbart ankleben konnte, so musste ich dann jedoch wenigstens durch seinen Namen den deutschen Handball in Person von Heiner Brand beglückwünschen. Schließich ist es ja gerade äußerst trendy, Handball toll zu finden. Auch wenn ich in meiner Familie da noch nie herumgekommen bin und diese Namenswahl daher ganz klar nicht Ausdruck einer Modeerscheinung ist.

Ich sehe die Entscheidung, meinem Computer den Familiennamen “Brand” zu geben, gleichzeitig auch als eine von vielen Maßnahmen meinerseits, den Amis den wahren Stellenwert von Handball zu erklären. Nein, es ist nicht die simplere Form von Basketball, auch nicht die vereinfachte Mischung aus Fußball und Basketball – und schon gar nicht ein Grundschulsport nur für Mädels!!! Wenn man so etwas im Land von American Football und Baseball (bäh!) hört, muss man doch zum Aktivisten werden!
California-Hit-Radio-DJ Christian darf sich also freuen, denn sein Vorschlag gehört somit auch zu den Gewinnern. Zwar wird meine Schwester wird jetzt wahrscheinlich ihre Ansprüche auf den Preis anmelden, aber ich halte die Sachlage für eindeutig. Punkt. Wie auch sonst üblich auf diesen großen Preisverleihungen kann sie dann ja auf der Pressekonferenz gekränkt umherzicken, dass sie die Lorbeeren verdient gehabt hätte. Aber hier bin ich Bestimmer und ich sage, dass es um Originalität geht und nicht um fremde Federn…

So, das war es soweit von Silvanas Computer-Gala 2007. Bevor jedoch die Pressekonferenz im Kommentarbereich dieses Eintrags stattfindet, möchte ich mich nochmals bei allen Einsendern bedanken. Hier gibt es nämlich keine Verlierer! Deshalb lade ich euch auch alle zur After-Show-Party ein, um Sapple M. Brand gebührend zu feiern! Das kann ich sowieso am besten. Cheers!

Freitag, Januar 26, 2007

Kurzer Zwischenbericht - Interim Report

My first attempt for a bilingual blog-entry. We'll see how that goes. So if you don't have a clue what the following alphabet soup stands for, fast-forward to the end of this entry and I promise a short summary and THE reason to make this superspecial entry ;-)

Und nun zu euch: Ich bin noch am Leben - wieder - nach fast einmonatiger Computerpause, weil Hugo in Deutschland in den Ruhestand gegangen ist und sein Nachfolger es noch nicht zu mir geschafft hatte. Nun ist aber alles wieder gut und ich kann wieder am postmodernen Kommunikationsstil der Internetgesellschaft teilhaben. Außerdem ist die Zeit der gruseligen "23" vorbei - und dies auch eine Gelegenheit, um mich bei euch allen im globalen Rundumschlag für die Glückwünsche und Happy-Birthday-Ständchen und alles andere, was ihr euch Süßes habt einfallen lassen, zu bedanken.
Ich hatte einen wunderbaren Geburtstag, wenn auch so ein Tag auf der anderen Seite des Atlantiks notgedrungen auf Kosten des Schlafs geht und gezwungenermaßen in Schichten abläuft. Das fängt um Mitternacht an, mit meiner Mama, die mich die ersten anderthalb Stunden erfolglos zu erreichen versucht, weil andere Leute die gleiche glorreiche Idee hatten - und geht weiter mit meiner lieben Oma, die meint, dass 7 Uhr in der Früh ja schon fast 2 Stunden nach ihrem Mittagessen ist und daher spät genug für einen Anruf. Aber ja, ich war dann wach und hab mich über die Glückwünsche sehr gefreut. So ging der Tag dann weiter mit Geburtstagskuchen-Essen (ätsch-bätsch, es gab Oreo-Cheesecake... und alle, denen jetzt nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, wissen höchstwahrscheinlich nur nicht, was Oreos sind...dafür gibts noch mal ein extra-ätsch!) im Institut sowie kollektivem Bejubeltwerden in der Bibliothek und endete nach einem grandiosen Vortrag (über die Raubzüge im archäologischen Museum Bagdad) in einem Sushi-Restaurant und der besten Eisdiele diesseits des Ozeans (ich bin mit 24 Jahren noch nicht senil genug, um die Köstlichkeiten der italienischen Eis-Kultur verdrängt zu haben).
Jetzt frage ich mich gerade, warum ich schon wieder so viel geschrieben habe, obwohl dies doch nur ein kurzes Lebenszeichen werden sollte?!?
Eigentlich (schönes Wort) wollte ich mich ja nur mit meinem neuen Liebling zurückmelden und einen Notruf für eben diesen Schatz in die weite Welt loswerden: MEIN COMPUTER HAT NOCH KEINEN NAMEN!!!!!!!!!!!!
Es kann einfach keinen zweiten Hugo geben (zumal Hugo ja auch in den sorgsamen Händen meines Schwesterleins weiterlebt.) und Zahlen im Namen sind unannehmbar. Deswegen rufe ich hiermit den

Wettbewerb zur Namensfindung

meines neuen Computers offiziell aus und fordere euch auf, kreativ zu werden, um dem namenslosen Dasein von XYZ ein Ende zu bereiten. Einziges Kriterium für die Auswahl des Siegers oder der Siegerin wird mein persönlicher Geschmack sein - und den kennt ihr ja alle. Also her mit den Ideen! Ich verspreche dem Sieger/der Siegerin auch einen einmalig großartigen Preis und die namentliche Veröffentlichung auf dieser in der heutigen Medienwelt bedeutenden Internetseite. Wenn das mal nichts ist?!



Und jetzt noch einmal für unsere amerikanischen Brüder und Schwester, die ja nicht ausgeschlossen werden sollen im Land der uneingeschränkten Gleichheit (räusper):

Skipping the first part of the German section, I will turn my attention directly to the most crucial part of this entry, i.e. MY NEW COMPUTER - which/who, as many of you know, does not have a name yet. I therefore take this opportunity to announce the

Silvana's-Computer-Needs-A-Name-Competition!

The rules are easy: All you have to do is come up with phantastic and semiphantastic ideas for my new darling. And I promise: There will be a prize for the winner! So go ahead and come up with names that match my handsome, charming, and charismatic computer! I'm looking forward to marvelling at your ideas - and guys, I'm sure we can come up with some suggestions tonight... see you at Murphy's and the Poison Room!!!

Montag, Dezember 04, 2006

Thanksgiving...or: As American as it gets...

Ich bin ein wenig hinter dem aktuellen Tagesgeschehen zurückgeblieben. Aber veraltet sind meine Thanksgivingerlebnisse von letzter Woche deshalb noch lange nicht. Schließlich bin ich den Muskelkater erst seit ein paar Tagen los :-) Vom Truthahnschneiden? Weit gefehlt. Ich hab mich stattdessen unter die Sportler gesellt. Und für alle die, denen das jetzt komisch vorkommt, folgt hier die Erklärung:
Thanksgiving ist in Cincinnati traditionell mit dem 10-Kilometer-Rennen downtown für einen guten Zweck verbunden. Mir war diese Idee anfangs auch recht fremd. Guter Zweck, ja gern, ich spende ein paar Dollar - aber warum sollte ich bezahlen, um dann auch noch laufen zu müssen? So ist das halt hier: Die Startgebühr geht direkt an einen Verein, der damit das schlechte Gewissen der Amerikaner und uns vier Europäern ausgleicht. Das ist, kurz gesagt, Thanksgiving hier.
Ich hatte nun von diesem Lauf gehört, an dem alljährlich tausende Menschen teilnehmen. Silvana wollte also wieder mal dabei sein, wenn irgendwo was los war - selbst wenn das mit körperlicher Anstrengung verbunden war. Um den Schaden zu begrenzen, suchte ich mir Leidensgenossen. Das waren dann am Ende Simone aus Deutschland, die im letzten Jahr hier gelebt hatte und nun auf Besuch zurück war, ihr Freund Will sowie Sandrine und Jean-Marie aus Frankreich. Das Gute daran war: Simone und ich konnten vorher gerechtfertigt auf Shopping-Tour gehen, weil wir ja das nötige Equipment brauchten... Wer kann da schon widersprechen? Außerdem hatte ich die glorreiche Idee, schon einmal vorher auszutesten, was meine Beine und Lunge so hergeben, und probte den Donnerstag-Morgen-10-Kilometer-Ernstfall schon mal am Montag in meinem Viertel. Berg hoch, Berg runter, bis zur Ampel, Hoffen, dass die Ampel rot wird, wenn man bei ihr ankommt, Feststellen, dass sich alle Ampeln Cincinnatis gegen einen verschworen haben und grün werden, sobald man sich ihnen nähert. Aber mein innerer Schweinehund ließ sich besiegen und so kam ich nach 10 Kilometern und etwas mehr als einer Stunde wieder zu Hause an. Aber hey, die Glückshormone, die ich danach ausschüttete, haben mich tatsächlich belohnt. Der Muskelkater und die Rückenschmerzen in den nächsten Tagen machten das allerdings wieder wett. Uff....aua....urgs...verdammt nochmal...
Die Mittwoch-Abend-Therapie bestand dann in Schwimmen und im Whirpool-Liegen. Das tat Wunder - bis ich zu Luise, die in der Nähe des Fitnesscenters geparkt war, zurückkehrte und den nächsten Strafzettel an ihrer Windschutzscheiben kleben sah. Die nächste Schmerzattacke durchzockte sogleich meine Muskeln und insbesondere meinen Rücken. 40 $ für Falschparken. Die Amis haben echt keine Relationen...
Zur Ablenkung gesellte ich mich zur Pre-Thanksgiving-Party der Internationals. Das war eigentlich ziemlich nett. Recht ruhig, tatsächlich fast bürgerlich, aber ur-gemütlich. Jeder hatte etwas zu essen mitgebracht (was sich als die Hauptbeschäftigung des nächsten Tages herasstellen würde, aber noch fand ich das alles ganz prima...). Naja, ich hatte auf den Strafzettelschock nur noch die Alkoholabteilung des Supermarkts finden können. Mir wurde verziehen.
Am nächsten Morgen klingelte dann der 10-Kilometer-Rennen-Wecker um 8 Uhr. Wie gut, dass ich andere Leute angestiftet hatte, mit mir zu laufen und mich abzuholen. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich nochmal genüsslich in meinem Bettchen umgedreht und weitergeschnarcht. Stattdessen war ich tatsächlich fertig gekleidet, als Sandrine und Jean-Marie bei mir klingelten. Keiner war motiviert, alle beschuldigten mich, die ganze Sache angerührt zu haben - und ja: Sie hatten Recht. Aber nun gabs kein Zurück. Irgendwas in meinem unteren Rücken stichelte zwar noch fürchterlich, aber wenn ich gebeugt genug lief, hielt sich der Schmerz in Grenzen. Ich hatte also meine Strategie gefunden.
Wir waren alle ein wenig überwältigt von den Massen an Menschen, die sich früh morgens an Thanksgiving im Football-Stadion downtown eingefunden hatten. Die Startnummern der Leute konnten wir bis auf deutlich über 12000 verfolgen. Entsprechenderweise waren wir auch nicht in der ersten Reihe beim Startschuss. Und erst hier wurde mir beigebracht, dass nicht der-/ diejenige mit der schnellsten Zeit das Rennen gewinnen würde, sondern der-/diejenige, der/die (boah, dieses Feministengehabe kann ganz schön anstrengend sein) zuerst das Zielband durchläuft. Ich hatte also von Vornherein keine Chance. Deshalb gab ich meine Siegesambitionen gleich mal auf und stellte den Spaß (und die Bekämpfung des Schmerzes in meinem Rücken) in den Vordergrund. Mone und ich waren ein hervorragendes Team. Angefeuert von Gloria Gaynors "I will survive" auf meinem (geborgten-wichtig für das Verständnis von Teil 2 dieses Eintrages...) MP-3-Player liefen sich die 6, 213 Meilen nur noch halb so schwierig. Nach einem großen Bogen in Downtown Cincinnati liefen wir über eine der Ohio-Brücken hinüber nach Kentucky, vorbei am Kino (wo wir beschlossen, nie wieder mit dem Auto ins Kino zu fahren) und anderen Sehenswürdigkeiten in Newport, zurück über eine andere Brücke zum Stadion - fast, denn die 0, 213 Meilen zwangen zu einem kleinen Umweg. Das ist echte Folter, wenn man das Ziel schon fest vor Augen hat, dann aber doch nochmal abbiegen muss. Aber Robbie Williams dudelte "Rock DJ" und ich keuchte den Rest der Strecke vor mich hin. Aber: I did it! Nach meiner Uhr war ich sogar unter 1 Stunde und 10 Minuten geblieben. Lacht ruhig vor euch hin. Ich fand das vollkommen okay in Anbetracht meines Muskelkaters und des Zwickens im Rücken. Die schlechte Nachricht kam dann von der offiziellen Zeitmessung in dem kleinen Computer an meinem Schnürsenkel: 1:11:01. Damn it. Aber die strahlende Sonne ließ mich darüber dann auch nur noch lachen. Die Vorfreude auf das traditionelle Truthahnessen tat ihr Übriges.
Mone und ich waren bei der Familie einer amerikanischen Freundin zum Mittagessen eingeladen. Obwohl wir beide ziemlich k.o. waren, hatten wir doch noch eine Menge Spaß. Schließlich ist so ein traditionelles Familien-Thanksgiving schon eine besondere Erfahrung. Punkt 1 und gleichzeitig das Wichtigste überhaupt: Das Essen. Genauer gesagt: Der Truthahn mit den dazu gehörigen Zutaten. Stampfkartoffeln, die Truthahnfüllung (stuffing halt), süße Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, Cranberrie-Salat, äääh, hab ich was vergessen? Es war das gaaanz große Fressen. Im Prinzip ist derjenige der Verlierer, der danach nicht sofort in komatösen Tiefschlaf verfällt. Mone und ich waren ziemlich gut dabei (nachdem ich 7268. insgesamt beim Rennen geworden war und 3029. unter den Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts). Wir hatten jede Menge Spaß, denn die ganze Familie der besagten Freundin war für dieses Ereignis zusammengekommen (inklusive des äußerst netten Cousins...). Ich schätze auf so ungefähr 20 Leute und konnte nicht anders, als die ganze Atmosphäre, insbesondere mit dem späteren Kartenspielen, mit unserem Weihnachten zu vergleichen. Nur ohne Geschenke. Ich glaube, das trifft es ziemlich gut. Schließlich war auch sonst alles anders an diesem Tag in den USA. Die Straßen waren wie ausgestorben. Parkplätze gab es zu Hauf in meinem Stadtviertel. Und selbst der 24-Stunden-Supermarkt hatte geschlossen...ehrlich gesagt: ich glaube, das passiert noch nicht einmal zu Weihnachten.
Nachdem ich mich dann also von besagtem Cousin verabschiedet hatte, fuhren Simone und ich weiter zum nächsten Truthahnessen, das Christina und Elizabeth vorbereitet hatten. Dinner Party. Aber wenn man am Morgen 10 Kilometer gelaufen ist, dachte ich, dürften es ruhig auch zwei Turkeys sein. Nach und nach trudelten alle möglichen Freunde ein, die über Thanksgiving nicht zu ihrer Familie gefahren waren. Das waren ein paar Leute aus meinem Institut und darüber hinaus ein paar internationals. Christinas neue Wohnung hatte einen solchen Ansturm von Leuten noch nicht gesehen. Aber irgendwann ist ja immer das erste Mal. Nachdem mein zehnter Vorschlag für ein Spiel dann endlich angenommen wurde, verbrachten wir die nächsten Stunden mit dem guten, alten Wer-Bin-Ich-Spiel, bei dem einem der Namen von irgendeiner Person auf die Stirn geklebt wird, den man dann per Ja-oder-Nein-Fragen erraten muss. Useless to say: I had a lot of fun ;-) Aber nach ein paar Verdauungsdrinks ging selbst mir die Puste aus und ich fiel vollkommen erschöpft in mein Bettchen. Kein Thanksgiving-Tanzen, aber ich hatte ja auch noch Großes vor.

(Tut mir leid. Ich merke, wie sich dieser Bericht schon wieder ins Unermessliche ausdehnt. Gleichzeitig schreiten die Zeiger meiner Uhr schon deutlich auf 2 Uhr morgens voran. Also: Der Rest ein wenig kürzer.)
Der Tag NACH Thanksgiving ist DER Shopping-Tag für den John-Normal-Amerikaner. Das heißt aber nicht, dass auch die Zeiten des Einkaufens normal wären. Die Geschäfte haben wahnsinnige Angebote in den Läden (Computer für 200 Dollar und so) - allerdings nur von 5 Uhr morgens bis 11 Uhr kurz vor Mittag. Ich hatte mir einen neuen MP-3-Player, ein Super-Schnäppchen einer renommierten Elektrogerätekette, ausgesucht (nur 30$!!!). Dafür war ich auch bereit, Luise um 5 Uhr morgens zur Mall zu fahren. Alle hatten sie mich gewarnt, alle hatten sie versucht, mich abzuhalten. Trotzkopf Silvana ließ nicht locker.
Um 5 Uhr auf dem Parkplatz der besagten Elektro-Kette angekommen war auch alles halb so schlimm. Nur ein paar Leute standen vor der Tür an. No Problem. Ich also zum Ende der Schlange hin....bloß das Ende ließ sich nicht finden. Die Reihe der Leute vor dem Geschäft ging hinter der Ecke weiter. Naja, immer noch kein Problem. Stell ich mich eben dahinter an. Blöd nur, dass die Schlange noch hinter der nächsten Ecke (also an der Rückseite des Gebäudes) weiterging, und zwar die komplette Länge des Geschäfts entlang. Aber nun war ich halt hier und Aufgeben ist meine Sache ja nicht unbedingt. Nach einer geschlagenen Stunde des Wartens in der Kälte konnte ich dann endlich den Laden betreten. Mittlerweile freute ich mich mehr über die angenehmen 25 Grad drinnen als über die Aussicht auf meinen neuen MP-3-Player. Immerhin: Mein Auserwählter war eine Stunde nach Ladenöffnung noch nicht ausverkauft (anders als die Sony Playstation 3, die Computer, Laptops und Flachbildfernseher, auf die die meisten scharf gewesen waren). So konnte ich also genüsslich durch den Laden schlendern (denn es wurden immer nur 25 Leute pro Schub hineingelassen) und mir mein eigenes Bild machen vom Shoppingwahnsinn schlechthin. Sommerschlussverkauf ist ein Sch...dreck dagegen. Mir fehlen die Worte. Eigentlich hatte ich vorgehabt, nach diesem Einkauf noch in den anderen Geschäften nach Schnäppchen zu suchen. Danach war mir dann um 6:30 Uhr doch nicht mehr. Die Aussicht auf mein warmes Bett war zu verlockend. Und die Aussicht, meinen Muskelkater einfach wegzuschlafen, auch. Selbst wenn diese unerfüllt blieb.

Dienstag, November 07, 2006

Wahlk(r)ampf

Nun ist es endlich soweit. Die Amerikaner dürfen heute die Nachfolgermodelle von Lochkarten ausprobieren und das Repräsentantenhaus sowie teilweise Senat und Gouverneure wählen. Wie ich mittlerweile gelesen habe, ist der Einsatz von Wahlcomputern wohl aber auch in einem mittelgroßen Desaster geendet. Immerhin: Es ist (fast) vollbracht.
Seit Wochen gab es kein anderes Thema mehr in den Nachrichten und in der Werbung. Das mag ja an sich noch nicht verwundern: Wenn in einem Land gewählt wird, gibt es halt vorher einen Wahlkampf. Doch so etwas wie hier in den letzten Wochen habe ich noch nicht erlebt (und viele Amerikaner, wie sie mir immer wieder beteuern, auch nicht.). Ich habe wirklich versucht, Themen im hiesigen Wahlkampf auszumachen. Doch bis heute konnte ich wirklich nur eines ausmachen - und selbst das wurde nicht wirklich diskutiert: Es ging um den Irak. Die Demokraten warfen Mr Bush das übliche Fehlverhalten vor und der ihnen, dass sie aber auch keinen Plan hätten.
Stattdessen verzettelten sich die jeweiligen Seiten lieber in einem unappetitlichem Wahlkampf u.a. mit Marc Foley, Kongressabgeordneter, der sich seine Zeit in widerlichen Chats mit Minderjährigen vertrieb, oder grad erst vor ein paar Tagen Ted Haggard, der als einer von den vielen Hard-Core-Predigern in den USA jahrelang Sex mit einem homosexuellen Drogenabhängigen hatte - die Ironie: Er ist einer der härtesten Gegner, wenn es um die Anerkennung von Homosexualität geht (ganz zu schweigen von gleichgeschlechtlichen Ehen...). Es sah also wirklich danach aus, als ob die Republikaner sich ihr Grab von ganz alleine schaufeln würden. Bis vor knapp zwei Wochen hatte wohl kaum jemand daran gezweifelt, dass die Demokraten (endlich) wieder Oberhand gewinnen würden im Senat und im Repräsentantenhaus (das sind die beiden Versammlungen, aus denen der Kongress in Washington besteht...Bundesrat, Bundestag...der Vergleich hinkt, aber der Anschaulichkeit halber vielleicht?!).

Doch dann rutschte John Kerry ("I used to be the next president of the United States.") vor kalifornischen Studenten die Aufforderung heraus, dass sie sich besser anstrengen sollten, sonst würden sie am Ende noch im Irak landen. Oooooh! Die Reaktionen hierauf kamen einer größeren politischen Erderschütterung gleich. Wie konnte er nur die Ehre der amerikanischen Truppen im Irak derart herabsetzen? Jegliche Versuche von Kerry, seinen Ausrutscher als einen missverstandenen Witz zu interpretieren, scheiterten und die Republikaner hatten nun auch Schlamm zum Werfen. Ich hatte in meiner Naivität gar nicht so viel Schlimmes an seiner Aussage finden können, doch weit gefehlt. Millionen Menschen fühlten sich persönlich angegriffen und steigerten sich in eine an Wahnsinn grenzende Anklage gegen Kerry hinein.
Die Werbespots der einzelnen Kandidaten, die in letzter Zeit natürlich immer häufiger in den ohnehin schon viel zu häufigen Werbepausen (aber das ist eine andere Geschichte) über die Mattscheibe flimmerten, gaben meiner Hoffnung auf einen themenorientierten Wahlkampf dann den Todesstoß. Das Prinzip hinter den Spots war immer das gleiche: "Hallo, ich bin der tolle demokratische Kandidat. Der republikanische Kandidat hingegen hat in den letzten Jahren Millionen Steuergelder verprasst, sich drei Monate nach Amtsantritt eine Gehaltserhöhung verschafft und in 99% aller Abstimmungen einheitlich mit Bush gewählt. Habe ich erwähnt, dass er außerdem korrupt ist und 35 Mal nicht zu den Meetings erschienen ist? Ergo: Wählen Sie lieber mich!" Andersherum hörte ich dann öfter "Der demokratische Abgeordnete hat nicht dafür gestimmt, mehr Geld in den Irak zu schicken. Er hat dagegen gestimmt, meinen Sohn, Soldat im Irak, zu unterstützen. Er hat gegen meinen Sohn gestimmt. Ich kann diesem Abgeordneten nicht mehr vertrauen."
Nachdem mein Anrufbeantworter und meine Handy-Mailbox dann zu guter Letzt auch noch mit Werbesprüchen für den einen (oder eher gegen den anderen) Kandidaten voll waren und ich mehrmals telefonisch aufgefordert wurde, unbedingt wählen zu gehen (immerhin, was?!), war dann heute nun endlich der große Tag. Den ganz großen Sieg für die Demokraten wird es wohl nicht geben. Aber immerhin hat das Possentheater hier endlich ein Ende.

P.S. Arnie ist als Gouvernator wiedergewählt worden.

Montag, November 06, 2006

Happy Halloween!

Es ist zugegebenermaßen schon eine Woche her, dass der richtige Halloween-Abend war. Da dieser aber mit der Vorbereitungszeit für mein letztes midterm zusammenfiel (Für alle zum Nachrechnen: Prüfung in der Mitte des 10-wöchigen Quarters in Woche 7.), komme ich jetzt erst dazu, euch von meinem diesjährigen Halloween vorzuschwärmen. Nach dem gelungenen Kostümshopping in Champaign konnte ich noch die letzten Details für mein Screw-Driver/Wodka-O-Kostüm in Cincinnati besorgen. Zum Beispiel eine große Schachtel Plastikorangen, die sich beim Aufmachen als Duftorangen entpuppten und mich zu einen wandelnden Orangen-Wunderbaum machten. Nun stand nur noch ein einziges Hindernis zwischen mir und den Partys am Wochenende: Das Zusammentüttern der vielen Einzelteile zu passenden Accessoires. Das Problem: Ich musste mit Nadel und Faden umgehen. Das Ergebnis: Trotzdem gelungen. Ich war ein echter Screw Driver!
Bei den Kolumbianern wurde zu Beginn des Partyabends lecker gegessen und schon mal vorsichtig losgefeiert, gleichzeitig Mike mit einem Kostüm versehen. Dafür, an Halloween kein Kostüm zu haben, gab es keine Ausrede, sondern nur den Griff in den Kleiderschrank der beiden Mädels im Hause. Und siehe da: Mike verwandelte sich in ziemlich kurzer Zeit in Michelle ;-)
Dann ging es los auf den Party-Marathon. Party 1 war allerdings schnell zu Ende. Nachdem wir bemerkt hatten, dass wir alle mindestens 3 Jahre älter waren als der Rest der Gäste (wobei ich schon die jüngste war und Nadine wohl sogar einen ihrer Schüler unter ihnen ausmachte) und dass das Bier auch schon längst alle war, ging es schleunigst zu Party 2. Nicht unwesentlich trug eine sich auf Wheeler Street (oh, geliebte Heimatstraße!) entwickelnde Schlägerei mit entsprechender Polizeipräsenz zu meinem Unbehagen bei - nicht schon wieder die Cops...Ja, Moritz, Geisterfahrer auf Wheeler Street. Lass schon mal den Polizeihelikopter losfliegen!
Party 2 war das frisch bezogene Haus von Franzosen/Möchte-Gern-Franzosen und stand deshalb unter dem Motto "Night of Sin". Nichts leichter als das ;-) Hier traf sich dann eher die internationale Gemeinde und feierte ausgelassen. Ich war in meinem Element, auch wenn die Musik zu wünschen übrig ließ. Dafür konnte ich mich gut über die Kostüme von anderen Gästen amüsieren - insbesondere als "David Hasselhoff" auftauchte. Ich wusste in dem Augenblick sofort, dass das ganz sicher einer der neuen Deutschen ist. In den USA sind wir Deutsche nämlich als Hasselhoff-Fans durch und durch verschrieen (der Grund, warum meinen Schreibtisch in der Bibliothek zahlreiche Hasselhoff-Bilder zieren, liebevolle Geschenke meiner Kommilitonen...und dann fand ich den Hoff als Kind wirklich mal toll - oh no!). Daneben sorgte Sandrine als unzüchtige Nonne für viel Aufregung mit ihrem Plastebusen und Jesus mit seinem Alkoholpegel. In der Zwischenzeit waren die Gäste von Party Nummer 3 dann zu uns gestoßen, sodass wir die Party zu später/früher Stunde zusammen dort ausklingen/ausdrehen ließen. Zwar mein letztes Halloween in den USA, aber dafür nochmal richtig ;-)

Samstag, Oktober 28, 2006

Was sonst noch geschah... Champaign Teil 2

Ich hatte ja versprochen, dass ich noch kurz (???) erklären würde, warum ich überhaupt in Champaign war. Denn fest steht: Es hatte nichts mit meiner Vorliebe für übertüchtige Cops zu tun. Elizabeth ist eine ehemalige Kommilitonin, die im Sommer nach Champaign in Illionois gezogen ist, um dort ihren Abschluss als Bibliothekarin zu machen. Da ich sie seit meiner Abreise nach Deutschland nicht mehr gesehen hatte, wurde es nun wirklich Zeit, sie (und die Kitty-Katze) endlich mal zu besuchen. Die Horrorwoche des Semesters mit zwei Vorträgen und einer Prüfung war auch vorbei - perfekt also für ein Wochenende Nix-Tun. Auf der Agenda standen v.a. Shopping, zum James Blunt Konzert Gehen und Wiedersehen Feiern. Wir starteten mit Letzterem - und landeten danach prompt in der bereits beschriebenen Polizeikontrolle. Der Samstag verlief dann eindeutig ruhiger. Mädels-Tratsch, schließlich hatten wir uns knapp 3 Monate lang nicht gesehen ;-) Aber abends gings dann los: James Blunt lockte. Seufz. Ja, wieder Mädels-Kram. Deshalb war ich nicht wirklich überrascht, dass wir zu den 99,9% weiblichen Konzertgängern gehörten. Wir zeichneten uns aber dadurch aus, dass wir weder Plakate à la: "I love you, James!" mit uns rumtrugen noch vollkommen im James-Blunt-Style (mit dessen Portrait auf der Brust...) gekleidet waren. Stattdessen kreischten wir aus der so ziemlich letzten Reihe rhythmisch mit und bewiesen unsere Textsicherheit - 1000 Mal geübt, denn Luise hatte JB's Album im Frühjahr zu ihrer Lieblings-Autofahr-Musik auserkoren, damit ich voller Inbrunst (und gern auch im Duett mit Elizabeth) mitträllern konnte. Nun waren wir also auf dem Konzert (Luise musste draußen bleiben...), warteten auf James Blunt und wurden schon von der Vorband vollkommen mitgerissen. Die hießen Starsailor, sind hier vollkommen unbekannt und machen Britpop mit einer gelungenen Mischung aus Oasis und Robbie Williams. Das kam bei uns natürlich an und so mutierten wir spontan zu echten Groupies und ließen uns die dann vor Ort erstandene CD von den Sternenseglern signieren. Schmacht ;-) Dann kam der gute James auf die Bühne und nahm unsere Herzen und Stimmbänder im Sturm. Und natürlich die Fingerkuppen unserer Daumen vom ewigen Feuerzeug-Hochhalten. Jetzt freue ich mich jedenfalls schon sehr auf das nächste Album, dessen Lieder Mister Blunt teilweise auf dem Konzert vorstellte. Das Übliche zwar, aber eben auch üblich nett. Die Fotos hier sind zugegebenermaßen geklaut, denn meine Kamera hätte es sehr wahrscheinlich nicht durch die Sicherheitsschranken geschafft. Aber letztendlich sahen weder die Bühne noch JB himself in Champaign anders aus als in San Francisco (von wo ich die Bilder von einem Co-Blogger "geborgt" habe...). Noch vollkommen im Beautiful-Rausch machten Elizabeth und ich uns dann auf eine eher ruhigere Bartour. Soll heißen: Jazz und Martinis statt 80's und Wodka-O(range). Was sonst nicht unbedingt auf meiner Liste der Lieblingsliste von Samstag-Abend-Aktivitäten steht, sollte enormes Unterhaltungspotential beweisen. Das Flirtverhalten der Champaign-Männer war äußerst beeindruckend und so konnten wir am Ende des Abends eine ganze Liste mit unseren Lieblingssprüchen zu Beginn einer Unterhaltung durchlästern. Ganz oben: "Stehst du auf Salat?" dicht gefolgt von: "Mein deutscher Freund hier hat heute Geburtstag. Wollt ihr mitfeiern?" Ja, dachten wir, zieht ruhig die Ausländermasche durch. Wir fallen schon nicht drauf rein. Nur dass sich am Ende herausstellte, dass die Deutsche hier tatsächlich ausgerechnet auf den einen Deutschen in der Bar/ in der Stadt (?) gestoßen war. Der berühmte Nationalitäten-Magnet. So lernten wir am Ende einen Teil der Jura-Studenten in Champaign kennen, die anscheinend universal recht einheitlich auftreten. Oh, geliebte Vorurteile, ich versuche tatsächlich, euch zu bekämpfen, aber ihr macht es mir wirklich nicht leicht...
Am Sonntag wollten Elizabeth und ich dann früh aufstehen, um Halloween-Shoppen zu gehen. Ich konnte die Zech-Gene in mir jedoch genauso schwierig bekämpfen wie die Vorurteile am Vorabend. So gings dann doch erst um 12 wirklich los ;-) Dafür aber auch richtig. Wir tourten durch die verschiedenen Second-Hand-, Bastel- und Kosmetikläden und wurden so was von fündig...YIPPI! Ich war schon recht verzweifelt, weil ich keine gute Kostümidee hatte. Aber nachdem ich dieses großartige quietschgelbe Tutu (tütü) und die Cocktail-Sonnenbrille gefunden hatte, waren die Zweifel ausgeräumt: Ich werde ein Screw Driver sein. Ein Schraubenzieher oder, wie der Fachmann (Suggi...) wohl lieber hört: Schraubendreher. Hier aber eigentlich und auch ein simpler Cocktail gemixt aus 1/5 Wodka und 4/5 Orangensaft. Wodka-O halt und bekanntlich (neben der Irish Car Bomb) mein Lieblingsgetränk auf der alkoholischen Seite. Von da an fielen jegliche Schranken im Einkaufswahnsinn und alles Gelb-Orange-Farbene wurde potentiell als Kostümdetail in Erwägung gezogen. Was daraus am Ende wurde, weiß ich mittlerweile schon. Das Kostüm hatte gestern bereits gefeierte Premiere und kam überall ganz gut an. Fotos sind schon online. Und der Halloween-Blogeintrag folgt auch noch. Versprochen.

Dienstag, Oktober 24, 2006

Keep your hands on the steering wheel, Miss!

Ihr dürft jetzt alle mal ganz stolz auf mich sein (besonders meine Mama natürlich...):
Am Wochenende wurde ich das erste Mal von der Polizei mit Blaulicht und Tatütata gestoppt. Nachts um halb drei, natürlich NACH der Kneipentour. Uuups. Nicht dass ich nicht mehr in der Lage war, Auto zu fahren (wer behauptet auch schon das Gegenteil von sich?), aber von einem Cop hätte ich darauf nicht getestet werden wollen.
Mein rowdyhaftes Verhalten auf den Straßen von Champaign, Illinois, war aber wohl auffällig genug, um von einem Undercover-Polizeiauto verfolgt und 100 Meter vor dem Haus von Elizabeth (=geplante Endstation) zusammen mit der gerufenen Verstärkung von einem "echten" Polizeiauto angehalten zu werden.
Ich hatte einfach nicht geschnallt, dass die Straße, auf der ich fuhr, eine Einbahnstraße war. Nein, die Richtung stimmte schon. Aber ich hätte halt nicht links abbiegen sollen von der rechten Spur aus, auf der ich, so dachte ich ja zumindest, eigentlich goldrichtig war (wenns KEINE Einbahnstraße gewesen wäre...). Ich hoffe, ihr könnt mir folgen. Die Polizei konnte...
Nachdem ich nicht nur die Fahrbahn falsch genutzt hatte, wäre Luise auch fast noch in das Auto gekracht, das auf der besagten Spur links von uns fuhr und geradeaus weiterfahren wollte. Danke, Herr Kainath! Der Schulterblick, mit dem man dem Prüfer in die Augen sehen soll (oder wahlweise demjenigen, der halt so auf der Rückbank sitzt...), hat Luise das Leben gerettet. Also kein Unfall, dafür großer Schock, aber Freude, dass nix passiert war. Also ab nach Hause. Oder einen Block von zu Hause entfernt - wo dann besagte Szene mit dem Tatütata geschah.
Ich will mal meine Nervosität jetzt nicht runterspielen. Elizabeth versuchte ihr Bestes, um mich zu beruhigen. Aber das half nicht besonders viel. Der Cop kam also zu meinem Auto gelaufen und fragte mich in Oberlehrermanier, ob ich denn wüsste, warum ich angehalten worden wäre. Of course, Sir. Und es tut mir sehr leid und es kommt auch nie wieder vor, aber ich bin erst seit ein paar Stunden hier und wusste nicht und konnte nicht und es tut mir immer noch waaaaahnsinnig leid. Dann folgte seine nette Aufforderung, die ich zum Titel meines Blogeintrages gemacht habe, weil ich in der Aufregung meine Hände natürlich in echter Italienermanier überall im Auto umherfuchteln ließ. Von da an fühlte ich mich tatsächlich wie im Film oder in einer der US-Fernsehshows, in der Schwerverbrecher stundenlang vom Sheriff verfolgt werden. Hinter mir das Polizeiautos immer noch mit Blaulicht. Wahrscheinlich alle Nachbarn wach und hinter den Gardinen hervorluschernd, welcher Kriminelle da grad gestellt wird. Immer diese Drogendealer in ihren weißen Buicks...arme Luise...
Der Polizist verschwand jedenfalls mit meinen ganzen Papieren in seinem Auto, nachdem er sich meinen Entschuldigungsroman angehört hatte. Die nächsten 10 Minuten fühlten sich wie mehrere Stunden an. Im Auto diskutierten wir schon die verschiedenen Szenarien:
1) Silvana kriegt auf der Stelle ein Knöllchen, darf aber weiterfahren. (In diesem Falle hatte Elizabeth schon angeboten, die Strafe zu übernehmen, um mich zu beruhigen - oder so.)
2) Silvana wird auf der Stelle verhaftet und verbringt die Nacht in einem Ami-Gefängnis. (In diesem Fall hätte Elizabeth sich zumindest um Luise gekümmert...)
3) Silvana wird auf der Stelle ihr Visum entzogen und zurück nach Deutschland geschickt. (In diesem Fall hätte sich meine Mama wahrscheinlich gefreut, aber wir hatten keinen wirklichen Plan... ;-)
Wie ihr unschwer bemerken könnt, bin ich ja noch hier. Möglichkeit 3 trat also nicht ein. Und auch sonst flacht die Geschichte jetzt schlagartig ab, denn ich blieb auch von den Varianten 1 und 2 verschont. Der beste Polizist der Welt (das hat er sich wirklich verdient, finde ich.) ermahnte mich zwar nochmal mit ernstem Blick, aber sagte mir dann, dass ich jetzt eine Warnung bekäme, aber dass das im Grunde nichts zur Folge hätte (zumindest wenn ich in den nächsten 6 Monaten im Staate Illinois nicht noch einmal Rowdy spiele...). Hier mein prachtvoll rosa Warnhinweis (Der dunkelrote Fleck da drauf ist passenderweise Rotwein, mit dem wir den guten Ausgang unserer nächtlichen Tour feierten.). Keine Fotos dieses Mal, aber das sollte die Enttäuschung wieder wettmachen. Warum ich überhaupt in Champaign war und was ich sonst noch so alles erlebt habe, schreibe ich ein anderes Mal. Aber dieses einschneidende Erlebnis wollte ich schon mal vorab veröffentlichen. In Altkanzler-Schröder-Manier.

Sonntag, Oktober 08, 2006

Let's do the time warp agaaaaaain

Ach, wenn ihr mich nur lachen hören könntet... ich bin grad nach Hause gekommen und habe nun begriffen, warum ich noch ein zweites Jahr in Cincinnati bleiben musste. Ich war bisher einfach noch nie bei einer Aufführung der Rocky-Horror-Picture-Show gewesen!!!
Hatte ich eigentlich heute auch nicht vor, schließlich wollten wir nur irgendeinen Film gucken gehen. Naja, das Kino hier im Viertel zeigt um Mitternacht die Rocky Horror Picture Show - na dann lass uns doch das machen. Gaaaaaanze naive Entscheidung.
Kurz bevor ich zum Kino fuhr (kein Kommentar, bitte, Luise braucht schließlich Bewegung...), telefonierte ich noch mit Elizabeth in Chicago. Und sie freute sich wie ein kleines Kind für mich, dass ich nun tatsächlich die Show sehen würde. Sie hatte da schließlich auch mal mitgemacht und Magenta gespielt mit den roten Haaren und... ja, ja, ja. Ich hätte sie schon fast abgewürgt mit den Worten: "Nee, nee, wir gucken doch nur den Film." Aber ich wollte ihr den Spaß nicht verderben. Bevor ich auflegte, riet sie mir dann noch, "uuuuunbedingt de-virginized (= entjungfert) zu werden". Ääääh, ja, ich muss los...
Es wurde schon vor dem Kino lustig. Daniel war der einzige dort, der vollständig angezogen war. Und ich dachte noch, dass die Leute über dem Kino wohl eine verfrühte Halloween-Party haben. Bloß: alle diese halbnackten Menschen (okay, viele waren mehr ganz nackt als halb...) und die anderen in ihren Verkleidungen jeglicher Art drängten mit uns ins Kino. Hääääh? What the hell? (Ich muss schon wieder über mich lachen und würde zu gern mein eigenes Gesicht in diesen 5 Minuten sehen.) Naja, noch schob ich alles auf Amis und den Halloween-Monat Oktober. Im Kino würde schon alles wieder normal sein.
Wieder weit gefehlt. Dort ging der ganze Spaß nämlich erst richtig los. Im ganzen Trubel gingen die Erklärungen des Obergurus irgendwie unter. "Rule number 6: No sex." Wie bitte??? Zwischen ekstatisch schreienden Mädels und der Truppe, die sich als Jesus und Apostel verkleidet hatten ("Whip Jesus - 10 Cents. He likes it rough."), kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Gut, dass ich nicht die Einzige war, der es so ging. Mike neben mir grinste nur vor sich hin. Daniel hingegen verstummte und erstarrte vollständig :-) Nach allem möglichen "Kram" (tut mir leid, dafür sind mir die Worte ausgegangen.) schrie der Guru dann was von "vergins" - von Leuten, die das erste Mal bei der Show dabei waren. Also auf nach vorn. George musste mit. Aber der war ja schließlich auch ne Jungfrau ;-) Wenigstens das war ich Elizabeth schuldig, die ich am liebsten angerufen hätte, um ihr vorzuwerfen, dass sie mich kein bisschen gewarnt hatte.
Nun, was soll ich sagen? Ich bin jetzt keine (Rocky Horror Picture Show) Jungfrau mehr. Ich habs hinter mich gebracht und es war sagenhaft komisch. Kurze Auflösung für die Jungfrauen unter euch: Irgendwann beginnt der Film auf der Leinwand zu spielen. Gleichzeitig stellen aber Laien-Schauspieler vor der Leinwand alle Szenen mehr oder minder authentisch nach, begleitet von Rufen und Spontanaktionen der Zuschauer. Im Grunde ist es unmöglich, dem Film zu folgen, weil ständig Leute umherbrüllen, Kommentare abgeben, die Filmstimmen mit (ihrer Meinung nach) witzigen Alternativen sprechen lassen - und das alles auf gaaaaaanz niedrigem Schmuddelniveau. Doch saulustig ;-)
Zweieinhalb Stunden später löste sich das Spukschloss im Film dann in Wohlgefallen auf und ich tanzte hinaus auf die Straße in die Kälte Cincinnatis - und grinste und grinste und grinste. Das tu ich eigentlich immer noch. Aber jetzt, nachdem ich Elizabeth angerufen habe, sie sich köstlich über meine deutsche Naivität amüsiert hat und nachdem ich euch an meinem unerwartet unterhaltsamen Samstag-Abend teilhaben lassen konnte, schlag ich mich besser in mein Bett. Ich kann ja auch im Schlaf weitergrinsen :-D

P.S. Nur noch das: Ich hab zu Hause natürlich gleich gegooglet, ob es das in Deutschland auch gibt. Gibts wohl. Aber auch das widerum äußerst lustig. Wikipedia lehrte mich:
"Bei folgenden Szenen kann sich das Publikum aktiv beteiligen: 1. Der Schnitt auf den Erzähler wird vom Publikum mit lauten 'boring' Rufen quittiert. etc." Ich weiß nicht, ob diese vorgeschriebene Beteiligung des Publikums wirklich die Grenze der Spontaneität in Deutschland ist - doch für einen weiteren Lacher am heutigen Abend nehme ich das mal einfach an. Grins.

Dienstag, Oktober 03, 2006

California Dreaming

Kurz vor Mitternacht, Sonntag Abend. Die Mitternachtsfolge von 'Sex and the City' wurde irgendwann im Sommer abgesetzt (ohne mich zu fragen!!!). Morgen früh wieder Uni und eigentlich noch 50 Verse Lukrez zu übersetzen – da ist es nicht weiter verwunderlich, dass ich mich lieber an meine Woche in Kalifornien zurückerinnere, bevor die vielen Eindrücke von dort sich den Lateinvokabeln im Kampf um meine Gehirnwindungen geschlagen geben müssen.
Im Grunde wollte ich mit meiner Reise ja nur Veronica einen Gefallen tun. Sie war am 5. September von Cincinnati nach San Francisco gezogen und ich hatte nun die ehrenvolle Aufgabe, ihr ein paar von ihren Sachen hinterher zu bringen. Also nix da Urlaub. Na gut, eigentlich schon :-)
Luise hatte mich in aller Herrgottsfrühe zum Flughafen nach Dayton gebracht und ich mir ausnahmsweise mal gemerkt, wo auf diesem Riesenparkplatz ich sie wiederfinden würde. Und dann gings los nach San Francisco über Minneapolis. Ein kleiner Schlenker – aber so ist Minnesota nun auch abgehakt und günstiger hats den Flug auch gleich gemacht. Ich war zu diesem Zeitpunkt in richtig dicke Klamotten eingemurmelt. Nicht nur, weil die Erinnerung an Flug 79 noch so frisch war, sondern auch weil Veronica mir am Abend vorher eine E-Mail geschrieben hatte mit den Worten: „Don’t forget your winter clothes. San Francisco is f* cold.“ Wir landeten nun also und der Pilot hieß uns mit freundlichen Worten willkommen in San Francisco bei 32° Sonnenschein. Winter clothes, aha – danke, Vero! ;-) Es sollte sich jedoch herausstellen, dass ich diese bei späteren Gelegenheiten doch auch ganz gut gebrauchen konnte. Nur hätte ich auch gern meine Sommerklamotten im Gepäck gehabt.
Die ersten beiden Tage verbrachte ich damit, die Straßen von San Francisco unsicher zu machen. Zu Fuß, per Bus, Straßenbahn und v.a. mit den Cable Cars. Ja, es die wohl größte Touristenabzocke der Stadt - jedoch in harter Konkurrenz zu Alcatraz, dessen Lage nicht nur strategisch günstig war für ein Hochsicherheitsgefängnis, sondern heutzutage auch für die Pilgerströme von Touristen zur Falle wird...clever, clever... Mir haben trotzdem sowohl Cable Car als auch Alcatraz später in der Woche ne Menge Spaß gemacht. Bin ich halt ein typischer Touri, na und?! Ich hatte ein fantastisches Kombi-Ticket erworben, mit dem ich sogar, so oft ich wollte, Cable Car fahren konnte und kostenlosen Zugang zu allen möglichen Museen der Stadt hatte. Zusammen mit Veronica ging ich ins „Exploratorium“, offensichtlich eines der besten Science-Museen der Welt (Naturkundemuseen??? Naja, ohne Dino-Skelette und ausgestopfte Grizzlybären...). Amis und ihre Superlative... In diesem Museum drehte sich jedenfalls alles um Experimente, die man selbst dort machen konnte. Auch das wieder höchst typisch für mein Gastland. Veros und meine kindliche Neugier war entbrannt – und so schafften wir es am Ende eigentlich nur durch die Optik-Abteilung. Plötzlich kamen Erinnerungen auf, die ich seit dem Physikunterricht mit Frau Sell und all meinen anderen mehr oder weniger schrecklichen Physiklehrern erfolgreich verdrängt zu haben geglaubt hatte. Aber wenn man nicht zum Fachidioten werden will..., richtig?!
Die Golden Gate Bridge, wichtiger Bestandteil einer jeden San-Francisco-Reise, habe ich mir natürlich auch angesehen, mehr als einmal, in und aus den verschiedensten Perspektiven. Gleich am ersten Tag z.B. vom Coit-Tower aus, dem so ziemlich höchsten Punkt in San Francisco (Foto rechts). Ich hoffe, dass der liebe Leser diese Information auch zu schätzen weiß, denn die unterschiedlichsten Berge (das Wort „Berg“ wirkt aus meinem mecklenburgischen Munde vielleicht nicht überzeugend, aber das waren wirklich Berge!!!) wetteifern ganz schön in puncto Höhe! Vom Coit-Tower aus konnte ich aus der entfernten Höhe DIE Brücke bewundern. Aber irgendwie fand ich die Postkarten, auf denen die Golden Gate Bridge in Nebelschwaden gehüllt war, viel netter. Schade, dachte ich, dass ich den berühmten San-Francisco-Nebel nicht erleben kann. Der nächste Tag sollte mich eines Besseren belehren und mir zugleich meine Naivität vor Augen führen. Buchstäblich. Denn wenn es Nebel gibt in San Francisco, dann hat das meist gar nichts mit Schönheit und großartigen Fotomotiven von der Golden Gate Bridge zu tun. Ich konnte sie ja fast noch nicht mal mehr entdecken. Da half auch mein neu erstandener Filter nicht, den ich mir – erneut in echter Touri-Manier – in einem der unzähligen Fotogeschäfte in Chinatown hatte aufschwatzen lassen. Dabei wollte ich doch eigentlich nur eine Batterie für meinen MP3-Player...

Für Donnerstag hatte ich beschlossen, zum Yosemite Nationalpark zu fahren. Ist ja schließlich nur 4 ½ Stunden von San Francisco entfernt – perfekt geeignet für eine Tagestour ;-) Im Nachhinein wünsche ich mir, ich hätte länger bleiben können, soooooo toll war das. Die Fahrt war eine von den vielen zentral organisierten Touren in einem Kleinbus mit einer bunt gemischten Truppe. Die Australier bildeten in meinem Bus die überdeutliche Mehrheit, was meinerseits natürlich wieder zu unüberwindbaren Kommunikationsschwierigkeiten führte. Die Herausforderung bestand nicht nur darin, ihre Sprache zu entschlüsseln, sondern auch ihren Humor zu verstehen. Ich glaube, es sollte immer schon lustig sein, was sie so sagten – aber an meinem irritierten Blick konnten sie erkennen, dass es nicht bis ins deutsche Hirn vorgedrungen war. Doch zum Wandern braucht man ja auch keine Witze, sondern nur genügend Ausdauer. Die brachte die mittlerweile geschrumpfte Truppe dann auch hinauf bis zum Vernal-Wasserfall. Den gescheiterten Rest der Reisegruppe sammelten wir auf dem Rückweg nach knapp 3-stündiger Wanderung wieder auf. Ich habe allein an diesem Tag im Park 200 Fotos gemacht. Keine Angst, die tue ich euch nicht alle an, aber ein paar davon können euch möglicherweise einen Eindruck von der Schönheit des Ortes geben. Es war wirklich atemberaubend. Und das ist eine Qualitätsbezeichnung, die aus meinem Munde in Bezug auf Berge sehr, sehr spärlich zu hören ist.

[Ich bemerke gerade, dass dieser Artikel gerade in seinen Dimensionen zum Riesen mutiert. Ich hoffe, das zeigt euch, wie gut es mir in Kalifornien gefallen hat – und Trost hab ich auch gleich parat: Es fehlt nur noch die andere Hälfte meiner Woche dort ;-) ]

Also, Kurzzusammenfassung des Wochenendes in und um San Francisco: Als sdw-Stipendiaten, die alle gerade in den USA bzw. in Kanada studieren, hatten wir vor geraumer Zeit die Idee entwickelt, zusammen ein Wochenende in San Francisco zu verbringen, um uns mal kennen zu lernen und ein bisschen was von der Welt zu sehen. Das sollte nun passieren, als wir 9 uns vollkommen fremde Leute begegneten. Die Fremdheit hielt nicht lange an. Bald bemerkten wir unsere gemeinsame Liebe für die Übernahme des deutschen Wortes „über“ als Präfix in die amerikanischen Sprache – überlustig, äääh, überfunny, zum Beispiel. Das machte uns dann auch gleich mal zur Übergruppe und die zog dann, von mir als Stadtführerin geleitet, durch San Francisco, hoch aufn Berg, runter vom Berg, wieder hoch...puuuh. Wie ihr am Foto erkennen könnt, hatte ich, wie es sich als Stadtführerin so gehört, jederzeit alles unter Kontrolle ;-) Alle zusammen nächtigten wir in einem Hostel, welches uns Damen zumindest einzigartige Zimmerpartner bescherte. Ein Schnarcher war natürlich dabei! Genauso wie der Frühaufsteher. Immer das Gleiche!!!
Samstag früh gings dann geschlossen nach Alcatraz – vorsicht, Wortwitz! Zur Ehrenrettung der Insel muss ich die touristische Vermarktung aber loben. Der Audioguide leistete großartige Arbeit und bescherte jedem Besucher so seine ganz persönliche Lernerfahrung. Kollektiver Zweifel blieb nur an den Beteuerungen der Wärterkinder von damals bestehen, die ihre ganze Kindheit auf der Insel verbracht hatten, dass es die schönste Zeit ihres Lebens war. Oder so. Nun gut, mir ist so eine Situation aus meinem Jahr in Italien nicht ganz unbekannt – aber dass mir die Bewacher auf der Gefängnismauer gegenüber von meinem Zimmer Wohlbehagen bereitet haben, kann ich nun auch nicht unbedingt behaupten... Ich glaube, das hab ich immer nur Mama zu Hause erzählt, um sie zu beruhigen ;-)
Nach der Rückkehr von Alcatraz gabs erstmal Burger der ganz anderen Art (in einem Burgerladen, dessen Speisekarte vor Ort nur aus 3 Variationen bestand – USA-Erfahrene schütteln an diesem Punkt wahrscheinlich schon ungläubig mit dem Kopf... okay, okay. Die „geheime“ Karte von In-N-Out-Burger gibt’s nur auf wikipedia - ich finde, das hat Erwähnung in meinem Blog verdient!)
Gut gesättigt ging es per Mietwagen ins Sonoma-Valley, einem der großen Weingebiete nördlich von San Francisco. Das beinhaltete natürlich auch eine Weinprobe. Und noch eine. Und noch eine – und dann einen Gutschein für noch eine...ihr wisst schon, wie so etwas immer endet... ;-)
Der Sonntag war dann schon der letzte Tag mit der Übergruppe. Wir beschlossen, in den Nationalpark Point Reyes nördlich von San Francisco zu fahren. Dort gab es zwar keine Berge, aber Spalten. Und was für welche! Genau unter dem Naturschutzgebiet verläuft nämlich der Sankt Andreas Graben. So konnten wir uns ansehen, was das große Erdbeben von 1906 (das aus dem Englischbuch! ;-) ) alles bewegt hat – z.B. einen Zaun 5 Meter in die jeweils entgegengesetzte Richtung (im Bild: vom einen blauen Pfahl zum anderen). Der Anschaulichkeit halber wurde das von Thomas und Matthäus auch gleich mal nachgestellt. Guckt’s euch also selbst an!

Pazifik-Strand gabs natürlich auch. Fast so schön wie die Ostsee, nur war das Wasser deutlich kälter (aber da ich ja sowieso keine Sommerklamotten dabei hatte, war das ja auch nebensächlich...). Dann war aber leider schon Schluss. Die erste Fuhre sdw’ler musste sich bereits verabschieden.

Damit löste sich unser Dreamteam aus dem Party-Auto um DJ Christian auf - die Party auf dem Rücksitz fand ein jähes Ende. Bekehrungsversuche meinerseits, die Stimmung im anderen Auto (in das ich dann umziehen musste) auf ähnliches Niveau zu bringen, scheiterten leider...


Sonntag Nacht bis Dienstag war ich dann wieder bei Veronica und ihrem Freund Nate, wo in der Zwischenzeit auch Veros Schwester, Mike und Nadine angekommen waren. Full house. Zusammen konnten wir am Montag nochmal San Francisco besuchen (das Aquarium, SFMoMA und v.a. Haight-Street, die Straße, in der man ohne flowers in your hand noch immer n bisschen auffällt). Dienstag früh noch kurz nach Berkeley zum Frühstücken und Uni-Sightseeing – und dann brachte mich der Flieger wieder über Minneapolis nach Dayton zu Luise. Als ich um Mitternacht in Cincinnati ankam, begann offiziell das neue Quarter. Sag noch mal jemand, mein Zeit-Management wäre ne Katastrophe... naja, vielleicht - mittlerweile ist es Dienstag, weit nach Mitternacht ;-)