

Ist sie nicht eine Süße? Die Erklärung des Namens bringt so ziemlich alles mit sich, was ihr über meinen kleinen Flitzer wissen müsst. Erst einmal zur Vorgeschichte: Nachdem ich mich entschieden hatte, doch noch länger in Cincinnati zu bleiben, war mir dann recht schnell klar, dass dieses Vorhaben ohne ein eigenes Auto nicht besonders spaßig würde. Auf jeden Amerikaner kommt hier mindestens ein Auto (nun gut, vielleicht ist das ein wenig übertrieben, aber ich glaube, dass ich nicht weit vom exakten Wert abweiche...) und genauso funktioniert alles
im amerikanischen Alltag auch - alles nur mit dem Auto erreichbar. Zur Uni und zum Supermarkt komme ich mit meinem Fahrrad zwar noch, aber darüber hinaus wird es kritisch.
Mit meinem Wissen über Autos ist es trotz Herrn Kainaths guter und meines Erachtens gelungener Ausbildung jedoch immer noch nicht zum Besten bestellt, sodass ich auf die Hilfe meines Vermieters angewiesen war. Er war unermüdlich dabei, in den letzten beiden Wochen passende Gebrauchtwagen für mich zu finden und anzugucken. Selbst wenn ich schon vollkommen entnervt war, hatte er immer noch ein Grinsen auf dem Gesicht und meinte ganz enthusiastisch, dass wir schon noch ein Auto finden würden, das "Silvana" drauf stehen habe. Und das hatten wir dann nach langer, größtenteils enttäuschender Suche auch gefunden.
Mitten in der Ohio-Einöde, Meilen und Meilen außerhalb von Cincinnati wollte ein älteres Ehepaar ihr Auto verkaufen, weil der 80-jährige Herr einen richtigen Pick-Up-Truck haben wollte (der Suggi versteht das, oder?!). Pech für seine Ehefrau, Glück für mich. Der Buick war damit meiner. B-U-I-C-K (sprich: Bjuuick): Das ist eine amerikanische Automarke, wie ich auch erst vor 3 Tagen gelernt habe. Und wie ich einen Tag später erfuhr besonders charakteristisch für "very old ladies". Nun ja, das Thema mit den 23 Jahren hatten wir ja schon einmal. Ich dachte, ich wäre darüber hinweg. Nun ja, so kam Luise zumindest zu ihrem Namen.
Als eine Art ausgleichende Gerechtigkeit zu meinem Computer Hugo, meinem lieben Opa, konnte mein "old-lady-car" nur Luise nach meiner Oma genannt werden. Zumal sie die roten Plüschsitze ganz sicher sehr geschätzt hätte. Das mit dem Armstrong als Nachnamen hat sich dann einfach so ergeben. Stark (= strong...nur damit du das
jetzt auch verstehst, Danni!) ist sie ja nun einmal und die Anlehnung an v.a. Louis Armstrong, meinetwegen aber auch Lance oder Neil, hält natürlich jeder kritischen Prüfung stand. Nun steht die kleine blitze-blank innen und außen gesäubert (das war auch bitter nötig, um die Vergangenheit auf dem Lande unsichtbar zu machen...) vor meinem Haus und wartet darauf, endlich die große Stadt kennen zu lernen. Ich übrigens auch, denn die Straßen hier sind doch noch ganz schön verwirrend. Auch das passt aber zu Luise, wie ich erfahren habe. Das mit der Orientierungslosigkeit muss ich wohl von ihr geerbt haben ;-)
Und bald fährt noch eine weitere old lady bei Luise mit: Meine Mama kommt mich besuchen!!! (Tschuldigung, Mama, war natürlich nicht so gemeint...ich brauchte nur eine gute Überleitung...). Heute morgen kam die gute Nachricht, dass die Bewerbung als Flugbegleiter bei AFS erfolgreich war. Meine Mama wird also am 28. Juni deutsche Austauschschüler aus New York zurück nach Hause bringen. Dafür kann sie sich aussuchen, wann sie herfliegen möchte - sodass sie wahrscheinlich knapp 10 Tage hier sein wird - und mit Luise und mir umherflitzen kann. Am Ende ihres Aufenthaltes wollen wir dann New York unsicher machen - wahrscheinlich ohne Luise, aber meine Oma war ja auch kein Großstadtmensch...
P.S. Nur um schon mal dämlichen Kommentaren zuvor zu kommen: Die kleinen Dellen im Auto sind natürlich nicht von mir. Ich nehme mal an, dass der ehemalige Besitzer (sicher der Mann) einen kleinen Unfall hatte. Er sagte etwas von Wildschaden...aber so blöd kann man ja auch wohl nicht einparken oder rückwärts fahren, oder, Danni? ;-)
P.P.S. Der Sticker von der hinteren Stoßstange kommt natürlich noch ab - so weit hat mich das Ami-Land nun doch noch nicht infiziert.
