Mittwoch, März 29, 2006

Es ist ein Mädchen!

Noch nicht ganz neun Monate hier - und schon habe ich Nachwuchs bekommen. Darf ich vorstellen:
Luise Armstrong!

Ist sie nicht eine Süße? Die Erklärung des Namens bringt so ziemlich alles mit sich, was ihr über meinen kleinen Flitzer wissen müsst. Erst einmal zur Vorgeschichte: Nachdem ich mich entschieden hatte, doch noch länger in Cincinnati zu bleiben, war mir dann recht schnell klar, dass dieses Vorhaben ohne ein eigenes Auto nicht besonders spaßig würde. Auf jeden Amerikaner kommt hier mindestens ein Auto (nun gut, vielleicht ist das ein wenig übertrieben, aber ich glaube, dass ich nicht weit vom exakten Wert abweiche...) und genauso funktioniert alles im amerikanischen Alltag auch - alles nur mit dem Auto erreichbar. Zur Uni und zum Supermarkt komme ich mit meinem Fahrrad zwar noch, aber darüber hinaus wird es kritisch.

Mit meinem Wissen über Autos ist es trotz Herrn Kainaths guter und meines Erachtens gelungener Ausbildung jedoch immer noch nicht zum Besten bestellt, sodass ich auf die Hilfe meines Vermieters angewiesen war. Er war unermüdlich dabei, in den letzten beiden Wochen passende Gebrauchtwagen für mich zu finden und anzugucken. Selbst wenn ich schon vollkommen entnervt war, hatte er immer noch ein Grinsen auf dem Gesicht und meinte ganz enthusiastisch, dass wir schon noch ein Auto finden würden, das "Silvana" drauf stehen habe. Und das hatten wir dann nach langer, größtenteils enttäuschender Suche auch gefunden.

Mitten in der Ohio-Einöde, Meilen und Meilen außerhalb von Cincinnati wollte ein älteres Ehepaar ihr Auto verkaufen, weil der 80-jährige Herr einen richtigen Pick-Up-Truck haben wollte (der Suggi versteht das, oder?!). Pech für seine Ehefrau, Glück für mich. Der Buick war damit meiner. B-U-I-C-K (sprich: Bjuuick): Das ist eine amerikanische Automarke, wie ich auch erst vor 3 Tagen gelernt habe. Und wie ich einen Tag später erfuhr besonders charakteristisch für "very old ladies". Nun ja, das Thema mit den 23 Jahren hatten wir ja schon einmal. Ich dachte, ich wäre darüber hinweg. Nun ja, so kam Luise zumindest zu ihrem Namen.

Als eine Art ausgleichende Gerechtigkeit zu meinem Computer Hugo, meinem lieben Opa, konnte mein "old-lady-car" nur Luise nach meiner Oma genannt werden. Zumal sie die roten Plüschsitze ganz sicher sehr geschätzt hätte. Das mit dem Armstrong als Nachnamen hat sich dann einfach so ergeben. Stark (= strong...nur damit du das jetzt auch verstehst, Danni!) ist sie ja nun einmal und die Anlehnung an v.a. Louis Armstrong, meinetwegen aber auch Lance oder Neil, hält natürlich jeder kritischen Prüfung stand. Nun steht die kleine blitze-blank innen und außen gesäubert (das war auch bitter nötig, um die Vergangenheit auf dem Lande unsichtbar zu machen...) vor meinem Haus und wartet darauf, endlich die große Stadt kennen zu lernen. Ich übrigens auch, denn die Straßen hier sind doch noch ganz schön verwirrend. Auch das passt aber zu Luise, wie ich erfahren habe. Das mit der Orientierungslosigkeit muss ich wohl von ihr geerbt haben ;-)

Und bald fährt noch eine weitere old lady bei Luise mit: Meine Mama kommt mich besuchen!!! (Tschuldigung, Mama, war natürlich nicht so gemeint...ich brauchte nur eine gute Überleitung...). Heute morgen kam die gute Nachricht, dass die Bewerbung als Flugbegleiter bei AFS erfolgreich war. Meine Mama wird also am 28. Juni deutsche Austauschschüler aus New York zurück nach Hause bringen. Dafür kann sie sich aussuchen, wann sie herfliegen möchte - sodass sie wahrscheinlich knapp 10 Tage hier sein wird - und mit Luise und mir umherflitzen kann. Am Ende ihres Aufenthaltes wollen wir dann New York unsicher machen - wahrscheinlich ohne Luise, aber meine Oma war ja auch kein Großstadtmensch...

P.S. Nur um schon mal dämlichen Kommentaren zuvor zu kommen: Die kleinen Dellen im Auto sind natürlich nicht von mir. Ich nehme mal an, dass der ehemalige Besitzer (sicher der Mann) einen kleinen Unfall hatte. Er sagte etwas von Wildschaden...aber so blöd kann man ja auch wohl nicht einparken oder rückwärts fahren, oder, Danni? ;-)

P.P.S. Der Sticker von der hinteren Stoßstange kommt natürlich noch ab - so weit hat mich das Ami-Land nun doch noch nicht infiziert.

Donnerstag, März 09, 2006

Die Entdeckung der Nacht

Ich übertreffe mich wieder einmal selbst. Es ist nun schon das zweite Mal in dieser Woche, dass ich hier schreibe, aber ich konnte nicht widerstehen. Zumal die Alternative gerade das Schreiben einer Hausarbeit ist. Das werde ich dann wohl morgen früh machen müssen. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, nur kurz bei Wlads Geburtstagsfeier vorbeizuschauen, um dann in meiner normalerweise so produktiven Phase zwischen Mitternacht und 2 nochmal richtig loslegen zu können... stattdessen surfte ich ein wenig orientierungslos im Internet herum, auf der Suche nach einer sinnvollen gute-Ablenkung-bei-akutem-Hausarbeitsdruck-Tätigkeit. Und ich habe sie gefunden. Schließlich findet man so etwas immer viel leichter als die eigenen Hausschlüssel, wenn man sie dringend braucht (warum eigentlich?!). Dieser Link hier bringt euch direkt auf eine Seite mit dem Bild der Erde. Noch nicht besonders spannend, werdet ihr sagen (obwohl ich Satellitenbilder an sich schon immer sehr interessant finde...). Aber wenn man nun auf die Erde klickt, dreht sie sich um ihre eigene Achse, wie meine Geo-Lehrerin es in der 5. Klasse erklärt hat. Das Beste kommt aber noch: Die Ansicht der Erde ist die aktuelle Ansicht aus dem All, sodass man sehen kann, welche Seite der Erde gerade taghell von der Sonne beleuchtet ist und welche im Dunkel der Nacht verschwindet. Im Moment sieht das Ganze ungefähr so aus wie hier im Bild. Ist das nicht großartig? Aber jetzt werde ich mal besser ins Bett verschwinden, bevor sich meine Seite der Erde wieder der Sonne zuwendet...
Good night!
P.S. Ist doch Wahnsinn, wie hell die Ostküste der USA ins All strahlt, obwohl es tiefste Nacht ist, oder?

Sonntag, März 05, 2006

(Fast) nix Neues

Tatsächlich hat sich der Anteil berichtenswerter Erlebnisse und Ereignisse in den letzten Wochen deutlich gesenkt – über amerikanische Langeweile kann ich mich trotzdem nicht beschweren. Ich wollte halt nur niemanden mit meinen Alltags-Stories zum Gähnen bringen. Deswegen seien schon mal alle im Voraus gewarnt: Dieser Eintrag wird keine netten Fotos oder aufregenden Geschichten enthalten – schade eigentlich, aber das ändert sich hoffentlich auch bald wieder.
Die große Nachricht erst mal ganz an den Anfang: Ich habe mich entschieden, noch ein Jahr länger in Cincinnati zu bleiben. Diese Wahl hatte ich ja eine ganze Zeit lang vor mir hergeschoben, aber mein Vermieter hat mich dann zu einer Entscheidung genötigt ;-) Das Angebot lautete: Wenn ich vor dem 31. Januar meinen Mietvertrag um ein Jahr verlängere, muss ich für die Septembermiete $ 100 weniger bezahlen. Ja, ich hab mich kaufen lassen. Schließlich bin ich hier im kapitalistischen Ausland und muss meine Ossi-Identität ja nicht sooooo deutlich machen ;-) Sollte jemand mehr als $ 100 bieten, damit ich wieder nach Deutschland zurückkomme, könnte ich mir das ja vielleicht noch mal überlegen...nein, Spaß beiseite. Ich habe halt (fast) überhaupt keine Nachteile, wenn ich noch ein Jahr länger hier bleibe. Der Master, den ich hier machen möchte, ist sowieso eigentlich ein 2-Jahres-Programm, sodass das Institut hier auch zwei Jahre lang zahlt. Das ganze Programm in einem Jahr durchzuziehen, ist selbst mir zu stressig – v.a. weil so unnötig stressig. Und meinen deutschen Abschluss kann ich immer noch in der Regelstudienzeit machen, weil die Stiftung den Master „nur“ als Zusatzabschluss anerkennt und mir mein Staatsexamen noch finanziert. Da hab ich ne Menge Glück gehabt, dass das alles so gut gelaufen ist. Von daher stelle ich mich grad darauf ein, ein Jahr länger hier zu bleiben – jetzt kann ich all den ganzen Schnick-Schnack für die Wohnung ohne richtig schlechtes Gewissen kaufen ;-) Teebeutelgarage – ich komme! Und für das nächste Quarter steht die Anschaffung eines Autos ganz oben auf der Liste. Ich hoffe mal, dass mein Vermieter mir wieder mal helfen kann, recht günstig was Nettes zu bekommen. Der Fiat Cinquecento ist zwar noch nicht in Vergessenheit geraten, aber den hier zu kriegen, ist dann wohl doch unmöglich. Schade eigentlich...
Unitechnisch ist alles in bester Ordnung. Die letzte Woche des Quarters steht vor der Tür. Für mich heißt das: noch zwei Hausarbeiten und einen Vortrag bis Donnerstag. Ich will ja gar kein Mitleid, aber seid deshalb bitte, bitte nicht böse, dass ich ewig auf Antworten warten lasse. Mein eigenes schlechtes Gewissen ist schon so viel zu groß. Wenn das Quarter vorbei ist, werde ich ganz sicher wieder zuverlässiger, was das Schreiben angeht. Versprochen!
Ansonsten gibt es wirklich nicht viel Neues zu berichten. Ich habe jetzt zusammen mit Jamie das neue Fitnesscenter auf dem Campus für mich entdeckt, wo wir zwei Mal pro Woche schwimmen gehen (um anschließend im Whirpool zu entspannen – wohltuendes aaaaah!) und uns ab und zu an den Geräten austoben. Projekt Sommer-Sonne-Strandfigur geht in die nächste Runde ;-)
Die Reiserei hat vorerst auch ein Ende genommen. Vor zwei Wochen war ich noch mal mit ein paar Kommilitonen in Chicago bei einer Konferenz über römische Geschichte und Archäologie. Genaueres erspare ich dem uninteressierten Leser (Danni...) jetzt – aber wer mehr wissen möchte, kann gern nachfragen oder hier nachschauen, denn ich bin von den Vorträgen sehr begeistert gewesen. Das Thema, das im Mittelpunkt stand, scheint noch ne Menge Forschungsbedarf zu haben und ist extrem interessant. Aber was ist schon uninteressant in den Altertumswissenschaften? ;-) Nicht umsonst bin ich ja dankbar für diese einjährige Studienverlängerung - oder nennen wir es lieber Studienintensivierung. Das klingt vielleicht ein bisschen besser. Ich stürze mich daher auch mal gleich wieder in die Arbeit, um meine vorlesungsfreie (!) Zeit dann besser genießen zu können. Wer spricht schon gern von Semesterferien?!