Nun ist es endlich soweit. Die Amerikaner dürfen heute die Nachfolgermodelle von Lochkarten ausprobieren und das Repräsentantenhaus sowie teilweise Senat und Gouverneure wählen. Wie ich mittlerweile gelesen habe, ist der Einsatz von Wahlcomputern wohl aber auch in einem mittelgroßen Desaster geendet. Immerhin: Es ist (fast) vollbracht.
Seit Wochen gab es kein anderes Thema mehr in den Nachrichten und in der Werbung. Das mag ja an sich noch nicht verwundern: Wenn in einem Land gewählt wird, gibt es halt vorher einen Wahlkampf. Doch so etwas wie hier in den letzten Wochen habe ich noch nicht erlebt (und viele Amerikaner, wie sie mir immer wieder beteuern, auch nicht.). Ich habe wirklich versucht, Themen im hiesigen Wahlkampf auszumachen. Doch bis heute konnte ich wirklich nur eines ausmachen - und selbst das wurde nicht wirklich diskutiert: Es ging um den Irak. Die Demokraten warfen Mr Bush das übliche Fehlverhalten vor und der ihnen, dass sie aber auch keinen Plan hätten.
Stattdessen verzettelten sich die jeweiligen Seiten lieber in einem unappetitlichem Wahlkampf u.a. mit Marc Foley, Kongressabgeordneter, der sich seine Zeit in widerlichen Chats mit Minderjährigen vertrieb, oder grad erst vor ein paar Tagen Ted Haggard, der als einer von den vielen Hard-Core-Predigern in den USA jahrelang Sex mit einem homosexuellen Drogenabhängigen hatte - die Ironie: Er ist einer der härtesten Gegner, wenn es um die Anerkennung von Homosexualität geht (ganz zu schweigen von gleichgeschlechtlichen Ehen...). Es sah also wirklich danach aus, als ob die Republikaner sich ihr Grab von ganz alleine schaufeln würden. Bis vor knapp zwei Wochen hatte wohl kaum jemand daran gezweifelt, dass die Demokraten (endlich) wieder Oberhand gewinnen würden im Senat und im Repräsentantenhaus (das sind die beiden Versammlungen, aus denen der Kongress in Washington besteht...Bundesrat, Bundestag...der Vergleich hinkt, aber der Anschaulichkeit halber vielleicht?!).
Doch dann rutschte John Kerry ("I used to be the next president of the United States.") vor kalifornischen Studenten die Aufforderung heraus, dass sie sich besser anstrengen sollten, sonst würden sie am Ende noch im Irak landen. Oooooh! Die Reaktionen hierauf kamen einer größeren politischen Erderschütterung gleich. Wie konnte er nur die Ehre der amerikanischen Truppen im Irak derart herabsetzen? Jegliche Versuche von Kerry, seinen Ausrutscher als einen missverstandenen Witz zu interpretieren, scheiterten und die Republikaner hatten nun auch Schlamm zum Werfen. Ich hatte in meiner Naivität gar nicht so viel Schlimmes an seiner Aussage finden können, doch weit gefehlt. Millionen Menschen fühlten sich persönlich angegriffen und steigerten sich in eine an Wahnsinn grenzende Anklage gegen Kerry hinein.
Die Werbespots der einzelnen Kandidaten, die in letzter Zeit natürlich immer häufiger in den ohnehin schon viel zu häufigen Werbepausen (aber das ist eine andere Geschichte) über die Mattscheibe flimmerten, gaben meiner Hoffnung auf einen themenorientierten Wahlkampf dann den Todesstoß. Das Prinzip hinter den Spots war immer das gleiche: "Hallo, ich bin der tolle demokratische Kandidat. Der republikanische Kandidat hingegen hat in den letzten Jahren Millionen Steuergelder verprasst, sich drei Monate nach Amtsantritt eine Gehaltserhöhung verschafft und in 99% aller Abstimmungen einheitlich mit Bush gewählt. Habe ich erwähnt, dass er außerdem korrupt ist und 35 Mal nicht zu den Meetings erschienen ist? Ergo: Wählen Sie lieber mich!" Andersherum hörte ich dann öfter "Der demokratische Abgeordnete hat nicht dafür gestimmt, mehr Geld in den Irak zu schicken. Er hat dagegen gestimmt, meinen Sohn, Soldat im Irak, zu unterstützen. Er hat gegen meinen Sohn gestimmt. Ich kann diesem Abgeordneten nicht mehr vertrauen."
Nachdem mein Anrufbeantworter und meine Handy-Mailbox dann zu guter Letzt auch noch mit Werbesprüchen für den einen (oder eher gegen den anderen) Kandidaten voll waren und ich mehrmals telefonisch aufgefordert wurde, unbedingt wählen zu gehen (immerhin, was?!), war dann heute nun endlich der große Tag. Den ganz großen Sieg für die Demokraten wird es wohl nicht geben. Aber immerhin hat das Possentheater hier endlich ein Ende.
Dienstag, November 07, 2006
Wahlk(r)ampf
P.S. Arnie ist als Gouvernator wiedergewählt worden.
Montag, November 06, 2006
Happy Halloween!
Es ist zugegebenermaßen schon eine Woche her, dass der richtige Halloween-Abend war. Da dieser aber mit der Vorbereitungszeit für mein letztes midterm zusammenfiel (Für alle zum
Nachrechnen: Prüfung in der Mitte des 10-wöchigen Quarters in Woche 7.), komme ich jetzt erst dazu, euch von meinem diesjährigen Halloween vorzuschwärmen. Nach dem gelungenen Kostümshopping in Champaign konnte ich noch die letzten Details für mein Screw-Driver/Wodka-O-Kostüm in Cincinnati besorgen. Zum Beispiel eine große Schachtel Plastikorangen, die sich beim Aufmachen als Duftorangen entpuppten und mich zu einen wandelnden Orangen-Wunderbaum machten. Nun stand nur noch ein einziges Hindernis zwischen mir und den Partys am Wochenende: Das Zusammentüttern der vielen
Einzelteile zu passenden Accessoires. Das Problem: Ich musste mit Nadel und Faden umgehen. Das Ergeb
nis: Trotzdem gelungen. Ich war ein echter Screw Driver!
Bei den Kolumbianern wurde zu Beginn des Partyabends lecker gegessen und schon mal vorsichtig losgefeiert, gleichzeitig Mike mit einem Kostüm versehen. Dafür, an Halloween kein Kostüm zu haben, gab es keine Ausrede, sondern nur den Griff in den Kleiderschrank der beiden Mädels im Hause. Und siehe da: Mike verwandelte sich in ziemlich kurzer Zeit in Michelle ;-)
Dann ging es los auf den Party-Marathon. Party 1 war allerdings schnell zu Ende. Nachdem wir bemerkt hatten, dass wir alle mindestens 3 Jahre älter waren als der Rest der Gäste (wobei ich schon die jüngste war und Nadine wohl sogar einen ihrer Schüler unter ihnen ausmachte) und dass
das Bier auch schon längst alle war, ging es schleunigst zu Party 2. Nicht unwesentlich trug eine sich auf Wheeler
Street (oh, geliebte Heimatstraße!) entwickelnde Schlägerei mit entsprechender Polizeipräsenz zu meinem Unbehagen bei - nicht schon wieder die Cops...Ja, Moritz, Geisterfahrer auf Wheeler Street. Lass schon mal den Polizeihelikopter losfliegen!
Party 2 war das frisch bezogene Haus von Franzosen/Möchte-Gern-Franzosen und stand deshalb unter dem Motto
"Night of Sin". Nichts leichter als das ;-) Hier traf sich dann eher die internationale Gemeinde und feierte ausgelassen. Ich war in meinem Element, auch wenn die Musik zu wünschen übrig ließ. Dafür konnte ich mich gut über die Kostüme von anderen Gästen amüsieren - insbesondere als "David Hasselhoff" auftauchte. Ich wusste in dem Augenblick sofort, dass das ganz sicher einer der neuen Deutschen ist. In den USA
sind wir Deutsche nämlich als Hasselhoff-Fans durch und durch verschrieen (der Grund, warum meinen Schreibtisch in der Bibliothek zahlreiche Hasselhoff-Bilder zieren, liebevolle Geschenke
meiner Kommilitonen...und dann fand ich den Hoff als Kind wirklich mal toll - oh no!). Daneben sorgte Sandrine als unzüchtige Nonne für viel Aufregung mit ihrem Plastebusen und Jesus mit seinem Alkoholpegel. In der Zwischenzeit waren die Gäste von Party Nummer 3 dann zu uns gestoßen, sodass wir die Party zu später/früher Stunde zusammen dort ausklingen/ausdrehen ließen. Zwar mein letztes Halloween in den USA, aber dafür nochmal richtig ;-)
Nachrechnen: Prüfung in der Mitte des 10-wöchigen Quarters in Woche 7.), komme ich jetzt erst dazu, euch von meinem diesjährigen Halloween vorzuschwärmen. Nach dem gelungenen Kostümshopping in Champaign konnte ich noch die letzten Details für mein Screw-Driver/Wodka-O-Kostüm in Cincinnati besorgen. Zum Beispiel eine große Schachtel Plastikorangen, die sich beim Aufmachen als Duftorangen entpuppten und mich zu einen wandelnden Orangen-Wunderbaum machten. Nun stand nur noch ein einziges Hindernis zwischen mir und den Partys am Wochenende: Das Zusammentüttern der vielen
Einzelteile zu passenden Accessoires. Das Problem: Ich musste mit Nadel und Faden umgehen. Das Ergeb
nis: Trotzdem gelungen. Ich war ein echter Screw Driver!Bei den Kolumbianern wurde zu Beginn des Partyabends lecker gegessen und schon mal vorsichtig losgefeiert, gleichzeitig Mike mit einem Kostüm versehen. Dafür, an Halloween kein Kostüm zu haben, gab es keine Ausrede, sondern nur den Griff in den Kleiderschrank der beiden Mädels im Hause. Und siehe da: Mike verwandelte sich in ziemlich kurzer Zeit in Michelle ;-)
Dann ging es los auf den Party-Marathon. Party 1 war allerdings schnell zu Ende. Nachdem wir bemerkt hatten, dass wir alle mindestens 3 Jahre älter waren als der Rest der Gäste (wobei ich schon die jüngste war und Nadine wohl sogar einen ihrer Schüler unter ihnen ausmachte) und dass
das Bier auch schon längst alle war, ging es schleunigst zu Party 2. Nicht unwesentlich trug eine sich auf Wheeler
Street (oh, geliebte Heimatstraße!) entwickelnde Schlägerei mit entsprechender Polizeipräsenz zu meinem Unbehagen bei - nicht schon wieder die Cops...Ja, Moritz, Geisterfahrer auf Wheeler Street. Lass schon mal den Polizeihelikopter losfliegen!Party 2 war das frisch bezogene Haus von Franzosen/Möchte-Gern-Franzosen und stand deshalb unter dem Motto
"Night of Sin". Nichts leichter als das ;-) Hier traf sich dann eher die internationale Gemeinde und feierte ausgelassen. Ich war in meinem Element, auch wenn die Musik zu wünschen übrig ließ. Dafür konnte ich mich gut über die Kostüme von anderen Gästen amüsieren - insbesondere als "David Hasselhoff" auftauchte. Ich wusste in dem Augenblick sofort, dass das ganz sicher einer der neuen Deutschen ist. In den USA
sind wir Deutsche nämlich als Hasselhoff-Fans durch und durch verschrieen (der Grund, warum meinen Schreibtisch in der Bibliothek zahlreiche Hasselhoff-Bilder zieren, liebevolle Geschenke
meiner Kommilitonen...und dann fand ich den Hoff als Kind wirklich mal toll - oh no!). Daneben sorgte Sandrine als unzüchtige Nonne für viel Aufregung mit ihrem Plastebusen und Jesus mit seinem Alkoholpegel. In der Zwischenzeit waren die Gäste von Party Nummer 3 dann zu uns gestoßen, sodass wir die Party zu später/früher Stunde zusammen dort ausklingen/ausdrehen ließen. Zwar mein letztes Halloween in den USA, aber dafür nochmal richtig ;-)
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