Sonntag, Juli 16, 2006

Der Flug meines Lebens
















WAAAAAAAAAAAAAAHNSINN!!! Das waren die aufregendsten Minuten meines bisherigen Lebens!!!
Vor einigen Tagen hatte sich eine Gruppe von Leuten aus meinem Freundeskreis hier in Cincinnati gefunden, die unbedingt einmal Fallschirm springen wollten. So meldeten wir uns also alle mutig für diesen Samstag, 16 Uhr in Greensburg, Indiana an.
Ich war erst morgens von unserer kleinen, kurzfristig (un)geplanten Reise aus Alabama, Tennessee und Mississippi wieder in Cincinnati angekommen (davon in ein paarTagen mehr) - einige wenige Stunden später war ich schon auf dem Weg zum Flugplatz. Auch wenn meine Mama dieses Vorhaben nicht unbedingt guthieß, gab mir meine Oma doch wohlwollend Unterstützung ("Runtergekommen sind bisher alle...").
Nun ja, erst als ich wirklich im Flugzeug saß und mir mein Tandem-Fallschirm-Partner Kang (ein kleiner, zierlicher Chinese...der brauchte wohl mein Extra-Gewicht, um überhaupt landen zu können...) das Zeichen gab, dass wir jetzt tatsächlich springen würden, war mir bewusst, worauf ich mich da eigentlich eingelassen hatte. Zu spät. Aber nein, einen Rückzieher hätte ich nie und nimmer gemacht. Dafür war Fallschirmspringen schon immer ein viel zu großer Traum gewesen. Aber mulmig war mir schon, okay, okay... .
Da ein Video von meinem Sprung gemacht wurde, sollte ich in der Sekunde vor dem Sturz in die Tiefe (11 000 Fuß, nach Silvanas vereinfachter Mathematik ungefähr 3,5 km) noch einmal in die Kamera lächeln. Das fiel mir schon ein wenig schwer. Aber als Tandemspringer hat man sowieso keine Wahl, denn man wird aus dem Flieger gestürzt. Es folgten 60 Sekunden freier Fall, die ich nie vergessen werde. Achterbahnen sind sooo langweilig. Dieses Erlebnis war grandios- zumindest als ich bemerkte, dass ich nicht durch den Mund atmen sollte. Das hatte die ganze Sache nämlich einige Sekunden lang ganz schön unangenehm gemacht. Natürlich war der freie Fall (200 km/h!) viel zu schnell zu Ende. Trotzdem kam es mir vor wie Ewigkeiten, die ich Richtung Erdboden fiel. Ich kanns nicht beschreiben - aber vielleicht wird das Video euch zeigen, wie es mir so ging ;-)
Der Fallschirm ging also auf (puuh, Glück gehabt!) und wir wurden wieder in die Höhe geschleudert. Dachte ich zumindest. Falsch gedacht - das weiß ich jetzt auch. Wir hatten lediglich aufgehört, mit solch hoher Geschwindigkeit zu fallen. Damit begann der zweite Teil des Fluges. Ich habe mich noch nicht entschieden, welchen ich besser fand - schließlich waren beide Teile grundverschieden. Durch die Lüfte zu segeln, ohne irgendetwas um sich herum zu haben, was einen trägt (es sei denn, man guckt natürlich nach oben...), war ein großartiges Erlebnis.
Kang zeigte mir, wie man lenkt und sich in die verschiedenen Richtungen dreht. So konnte ich für den Großteil des Fluges Bestimmer sein und Blödsinn machen - naja, was man sich halt so traut in so luftiger Höhe ;-) Die Landung überließ ich dann lieber wieder dem Fachmann. War auch gut so, denn wir landeten vollkommen sanft - auf dem amerikanischen Boden der Tatsachen. Vorbei wars. Ganze zehn Minuten, vergangen wie im Handumdrehen. Aber im gleichen Augenblick, in dem ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war ich mir sicher, dass ich unbedingt noch einmal Fallschirm springen werde. Soll heißen: Ich fange an zu sparen ;-)

Sonntag, Juli 09, 2006

OLEEE-OLEE-OLEE-OLEE: VIVA ITALIA!

Zugegeben, am Dienstag war ich schon geknickt, als Deutschland (vor allem auf diese Weise und zu dieser Zeit...) gegen Italien im Halbfinale ausschied. Andererseits: Gegen keine andere Mannschaft hätte ich Deutschland lieber verlieren sehen. Die Amis sagen dazu: Win-Win-Situation, auch wenn ich es eher als Lose-Lose-Situation gesehen habe. Wird halt Italien Weltmeister - so hab ich mir das gedacht.
Dass dieser Traum heute Wirklichkeit geworden ist, hab ich noch gar nicht richtig verstanden. Bekanntlich ist das 11-Meter-Schießen nicht gerade eine Stärke meiner Italiener. Und so glaubte ich gar nicht mehr wirklich daran, dass es mit dem Titel in Deutschland klappen könnte. Mit spielerischem Ruhm haben sich die Italiener gegen Frankreich ja auch nicht gerade geschmückt...aber trotzdem!!! VIVA ITALIA!!!!
Ich hatte das Spiel im Kino auf unserem Campus mit vielen anderen Studenten gesehen - die meisten davon unentschieden, für wen sie sein sollten. Aber die vielen Frankreich-Unterstützer forderten meinen Italien-Jubel ständig heraus. Am Ende war er unangefochten - neben den französischen Tränen ;-)
Italien ist im Freudentaumel - meine Freunde dort konnte ich allesamt nicht erreichen, weil sie natürlich auf den Straßen und den Piazzen des Landes feierten. Jetzt kann ich es gar nicht mehr erwarten, dass ich auch nach Italien komme. Der 21. August wird ein Freudentag!!!
In der Zwischenzeit erfreue ich euch noch mit diesem Video - keine Ahnung, ob adidas damit auch in Deutschland Werbung macht, aber José ist mein persönlicher Held dieser WM geworden ;-)
Es war zwar schade, die ganze Fußball-WM im eigenen Land nur aus der Ferne verfolgen zu können (und dann auch noch im einzigen Land der Welt, das es fertig bringt, nach dem Elfmeter-Schießen des Finales kurz mal rüber zum Golfturnier zu schalten...AAAAH!), aber ich freue mich über den (wieder)gewonnenen Optimismus und die Begeisterungsfähigkeit in Deutschland - fast ein bisschen wie in Italien, hm?! Da komm ich doch gern wieder nach Hause, zu Freunden und Familie ;-)
P.S. Warum haben sich meine französischen Freunde eigentlich nicht über die Tempo-Taschentücher gefreut, die ich ihnen - als Trost aus Deutschland sozusagen - geschenkt habe. Die Welt ist einfach ungerecht...