Dienstag, Dezember 13, 2005

Boston

Seit Sonntag Abend bin ich nun tatsaechlich unterwegs und mein Blog traegt seinen Namen wieder zu Recht. Die erste meiner drei Stationen war Boston, wo ich von Fabian vom hospitalityclub sehr nett aufgenommen wurde. Fabian ist urspruenglich aus Freiburg in Deutschland, studiert aber nun in Boston Geige - und ist fuer die Tage hier mein Gastgeber.
Nachdem ich am Sonntag dann angekommen war, machten wir uns nach "Little Italy" auf - Ihr koennt Euch sicher lebhaft vorstellen, wie spannend das fuer mich war und wie sehr ich mich in meinem Element fuehlte. Wir entschieden uns, im "La Dolce Vita" essen zu gehen, was sich als eine der besten Entscheidungen herausstellte, weil nicht nur das Essen super war, sondern auch die Unterhaltung spitzenmaessig-sizilianisch war... JA! Der Besitzer des Lokals und seine Familie (die an jenem Abend auf traditionell sizilianische Weise Geburtstag feierten) waren aus Sizilien! Als sich herausstellte, dass ich zumindest im Herzen auch Sizilianerin bin, wurde ich kurzerhand in die grosse Familie aufgenommen und allen vorgestellt. Meine Guete! Das war grossartig! Allerdings haette ich mir auch nicht traeumen lassen, dass ich am ersten Tag meiner Reise hier gleich noch mehr Fernweh bekomme...naja, eigentlich ist es ja Heimweh ;-) Es war auf jeden Fall aufregend, Italiener hier kennen zu lernen, denn in Cincinnati gibt es ja irgendwie nur Abkoemmlinge von deutschen Einwanderern.

Am Montag ging fuer mich dann das Touristenprogramm los - und das war lang, denn Boston hat sooooooo viel zu bieten. Ich entschied mich dafuer, den sogenannten "Freedom Trail" entlang zu laufen. Das ist ein Pfad durch Boston, der mit roten Pflastersteinen markiert ist (die Guestrower werden sich an den blauen Pfad durch Guestrow erinnert fuehlen, richtig?) und an den wichtigsten historischen Staetten Bostons vorbeifuehrt. Ich dehnte das dann ein wenig aus und blieb an den jeweiligen "Haltepunkten" immer recht lange, um die verschiedenen Ausstellungen oder Fuehrungen mitzuerleben. Und natuerlich hat Boston tatsaechlich viele Hoehepunkte, die ich mir vor meiner Reise irgendwie gar nicht so vor Augen gefuehrt hatte. Boston Massacre, Boston Tea Party, John Hancock...alles aufzuzaehlen, wuerde Danni jetzt langweilen ;-) Aber Ihr habt hoffentlich den vollkommen korrekten Eindruck erhalten, dass dies genau das Richtige fuer mich war! In amerikanischer Geschichte war ich ja bisher zu meiner Schande nicht besonders bewandert gewesen - aber dies war eine exzellente Gelegenheit dazu, mein Wissen aufzubessern. Leider bin ich, wie eigentlich immer, historisch nicht in die Moderne und Zeitgeschichte vorgedrungen und musste somit aus Zeitgruenden meinen Besuch in der Kennedy-Library, in der ein Museum ueber die beruehmte Bostoner Familie untergebracht ist, aus meinem Plan streichen. So war ich abends auch erst fertig, als es schon laengst dunkel war und man nichts anderes mehr machen konnte als Shopping. Weihnachten steht schliesslich vor der Tuer! Spaeter abends traf ich mich dann wieder mit Fabian und seinen Musik-Kommilitonen in einer kleinen Kneipe zum Chicken-Wings-Essen, was wohl deren aeusserst nette Montag-Abend-Tradition ist.

Heute, am Dienstag, begann mein Tag hoch ueber Boston auf dem Prudential-Center, welches nur 100 Meter von Fabians Wohnung entfernt ist. Von dort hatte ich eine fabelhafte Aussicht ueber die ganze Stadt und das Meer - auch wenn das Wetter ein wenig besser haette sein koennen. Erst im Laufe der Zeit loeste sich die dicke Wolkendecke zugunsten des strahlend blauen Himmels auf (was allerdings auch eisige Temperaturen mit sich brachte - bibber-bibber-bibber...) und so wurden die Fotos dann auch besser, die Ihr bald (wahrscheinlich aber erst nach meiner Rueckkehr nach Cincinnati) im Fotoalbum bestaunen koennt. Viel Zeit blieb aber nicht fuer diesen Tagesordnungspunkt, denn eigentlich wollte ich diesen Tag dem "Museum of Fine Arts" widmen - auch das in unmittelbarer Naehe zu Fabians Wohnung! Das Museum war als Hoehepunkt geplant und wurde tatsaechlich einer - wenn auch anders als urspruenglich gedacht. Ich wusste, dass besonders die Sammlung der Impressionisten eindrucksvoll ist und dass es auch eine Antikensammlung gibt. Diese beiden Dinge sollten meine Hauptaufmerksamkeit bekommen - die Ausstellung, die gerade zur Fotografie von Ansel Adams laeuft, wollte ich gar nicht mitnehmen...aber dann: Als Student bekam ich kostenlos ein Ticket zu eben dieser Ausstellung dazu - naja, dann konnte ich doch nicht 'nein' sagen. Also begann ich eher skeptisch den Rundgang durch seine Fotografien und war spaetestens im zeiten Ausstellungsraum vollkommen hin und weg. Die Fotos waren grossartig und trafen genau meinen Geschmack - hm, manchmal muss man halt zu seinem Glueck gezwungen werden ;-) Zwar verzoegerte sich mein Zeitplan dadurch betraechtlich, aber das ist ja das Schoene am Allein-Reisen. Meinen Besuch auf dem Campus der beruehmten Harvard-University verschob ich dann einfach ein wenig nach hinten - so kam ich zwar erst in der Daemmerung dort an, aber zumindest habe ich nun das ganze verwirrende Namensspiel durchschaut: Die Universitaet heisst 'Harvard' und ist die aelteste hier in den USA (wie Boston verstaendlicherweise sowieso viel, viel wirklich Altes vorzuweisen hat - ich habe sogar den Grabstein einer Passagierin von der 'Mayflower' entdeckt - nicht in Harvard natuerlich, aber auf einem Friedhof in Boston downtown!). Der ganze grosse und beeindruckende Campus liegt in Cambridge, einem Stadtviertel von Boston - so 'einfach' ist das ;-) Wieder 'was gelernt!
Als halber Eiszapfen kam ich dann wieder 'zu Hause' bei Fabian an und ging auf seinen Vorschlag hin zu einem Konzert von Kommilitonen an seiner Uni. So kam ich in den Genuss von Streichquartetten zu Ehren von Beethovens 235. Geburtstag - ja, und nun bin ich zurueck und packe meine Sachen zusammen, um mich morgen mit Kathi aus Oesterreich (die auch in Cincinnati studiert und nun ueber New York nach Hause fliegt.) in New York zu treffen.

Sicher haette ich noch viel laenger in Boston bleiben koennen und muessen, um Vieles mehr anzuschauen - aber ich bin ganz zufrieden mit meiner 'Ausbeute' hier und v.a. aufgeregt, wie es in New York so sein wird. Da ich aber noch niemanden kennen gelernt habe, der sich ernsthaft ueber den Big Apple beschwert hat, bin ich ganz guter Hoffnung, dass auch dies eine spannende Zeit wird - und ausserdem habe ich jetzt auch ein wenig mehr Zeit: Ich bleibe bis Sonntag in New York!

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo meine Große!
Habe deinen Artikel über Boston gelesen-schläfst du eigentlich auch mal?Aber ich freue mich trotzdem, dass es dir dort gut gefallen hat und du dein "Programmm" zu deiner Zufriedenheit absolvieren konntest.Die sizilianische Küche und anschließende Feier hast du sicher genossen-ich kann es mir jedenfalls lebhaft vorstellen.Hoffe aus New Jork auch einen ausführlichen Reisebericht zu erhalten.Viel Spaß dort und nicht allzuviele Abschiedstränen bei der Verabschiedung einiger deutscher Studenten.

Silvana hat gesagt…

Hallo liebe Mama!
Danke fuer deine liebe Nachricht! Habe mich wirklich sehr gefreut und verspreche auch weiterhin, viel Neues ueber meine Reise hier zu schreiben. Von New York aus, wo ich heute angekommen bin, ist das zwar etwas schwierig, weil ich nicht staendig an den Computer komme, aber ich versuche es kurz. Heute habe ich hier das 'Little Italy' auch schon mit Kathi aus Oesterreich besucht und Pasta gegessen (das war aber nix gegen die Sizilianer aus Boston!)...keine Abschiedstraenen, versprochen ;-)
Deine Silvana.

Anonym hat gesagt…

Hallo,

wir machen eine Reportage über Hospitalityclubs, hat jemand Lust uns bis spätestens Montag am Telefon Rede und Antwort zu stehen (wie ihr darauf kamt, was eure Erfahrungen sind, etc.)

bitte einfach melden, 1000 Dank

sandra(at)galointsch.de
sandra.mueller@burda.com

LG Sandra